Gruner + Jahr bekommt neue Verlagsspitze: Julia Jäkel geht

31.03.2021 Sie hat das Verlagshaus viele Jahre geprägt. Nun beendet Verlagschefin Julia Jäkel ihre Tätigkeit für Gruner + Jahr. Ihr Nachfolger ist kein Unbekannter.

Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende von Gruner und Jahr. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

An der Spitze des Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr gibt es einen Wechsel: Die langjährige Verlagschefin Julia Jäkel verlässt das Medienhaus. Die 49-Jährige gehe «in ihrem zehnten Jahr an der Spitze freundschaftlich und auf eigenen Wunsch», teilte der Verlag am Mittwoch in Hamburg mit. Nachfolger wird zum 1. April Stephan Schäfer. Der 46-Jährige ist bereits Mitglied der Geschäftsführung. Als einer der großen Zeitschriftenverlage in Deutschland mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro steht das Haus vor Weichenstellungen.

Jäkel sagte: «Mein Schritt, G+J zu verlassen, ist eine ganz persönliche Lebensentscheidung. Das vergangene Jahr hat auch bei mir Gedanken darüber ausgelöst, was das Leben noch mit einem anstellen kann.» Diesen Gedanken wolle sie mehr Raum geben. «Darum habe ich Bertelsmann gebeten, mir dies zu ermöglichen.»

Die 49-Jährige verlässt zugleich den Mutterkonzern Bertelsmann. Schäfer übernehme dort ihren Posten in dem Gremium Group Management Committee, das den Vorstand zur Konzernstrategie berät, teilte Bertelsmann in Gütersloh mit.

Gruner + Jahr ist eine 100-prozentige Tochter von Bertelsmann, bekannte Magazinmarken sind etwa «Stern», «Geo», «Brigitte», «Schöner Wohnen» und «Capital». Der Hamburger Verlag ist auch an Medienunternehmen beteiligt, darunter an der Spiegel-Gruppe. Jäkel begann 1997 bei Bertelsmann, ein Jahr später kam sie zu dem Verlag. Nach mehreren Stationen wurde sie 2012 Vorstand Deutschland und rückte 2013 an die Spitze.

Das 1965 gegründete Verlagshaus, das in den kommenden Jahren innerhalb Hamburgs umziehen wird, konzentrierte sich in den vergangenen Jahren wie viele andere Medienhäuser auf digitale Transformation. Jäkel forcierte den digitalen Wandel - der Umsatzanteil des Digitalgeschäfts liegt nach Verlagsangaben bei knapp 40 Prozent.

Zugleich trennte sich Gruner + Jahr von Geschäften, die nicht mehr in die Strategie passten. Das Haus zog sich aus Zeitschriften-Märkten in den Niederlanden, Spanien und Österreich zurück. Zurzeit ist der Verkauf der französischen Magazinsparte geplant. Gruner + Jahr mit rund 9000 Beschäftigten, davon 2500 in Hamburg, will sich stärker auf den heimischen Markt konzentrieren.

Jäkel betonte, das Unternehmen habe gezeigt, «dass es Medienwandel kann, das Haus ist digitaler, kreativer und robust, das erfüllt mich mit Stolz. Gruner + Jahr, seine Marken, seine Menschen werden immer ein Teil von mir bleiben.»

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte über Jäkel: «Ich danke ihr für die vielfältigen Leistungen, die sie über viele Jahre hinweg für Bertelsmann erbracht hat.» Er betonte, sie habe einen klassischen Zeitschriftenverlag in ein modernes, digitales Medienunternehmen transformiert. Sie habe zudem wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Bertelsmann gegeben.

Jäkel war seit 2019 auch Vorsitzende des Zusammenschlusses Bertelsmann Content Alliance. Hier bündeln die einzelnen Konzernsparten ihre Inhalte zum Beispiel aus Rundfunk (RTL), Zeitschriften (Gruner + Jahr) und Musik (BMG). Der Chef der Mediengruppe RTL Deutschland, Bernd Reichart, übernimmt an dieser Stelle nach Bertelsmann-Angaben Jäkels Posten.

Mit der Veränderung an der Spitze von Gruner + Jahr verkleinert sich nach Verlagsangaben die Geschäftsführung von drei auf zwei Mitglieder: Neben Schäfer wird das Oliver Radtke (52) sein, der bereits ebenfalls seit Jahren Geschäftsführungsmitglied ist.

Der neue Verlagschef Schäfer sagte: «Wir haben Gruner + Jahr in den vergangenen Jahren digitaler gemacht, unsere Marken gestärkt und sind kreativer geworden.» Er übernehme die neue Aufgabe mit großer Freude. «Ich wünsche Julia von Herzen alles Gute und sage, sicher im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Danke!». Seit Februar 2019 ist er zusätzlich Geschäftsführer Inhalte & Marken der Mediengruppe RTL Deutschland. Diesen Posten behält Schäfer.

Derzeit prüft Bertelsmann eine engere Zusammenarbeit zwischen RTL und Gruner + Jahr. Wie weitreichend sie sein könnte, ist noch unklar. Im dritten Quartal könnte es eine Entscheidung geben. Am Dienstag sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur, ob ein Zusammenwachsen oder sogar Zusammengehen von bestimmten Redaktionsteilen von RTL und dem Verlag theoretisch vorstellbar sei: «Absolut. Das kann ich mir vorstellen. Das ist aber nur eine von mehreren Optionen.» Auf die Frage, ob RTL-Redakteure und Redakteure des Hamburger Verlags theoretisch eine gemeinsame Redaktion bilden könnten, antwortete Rabe: «Das könnte ich mir in Einzelthemenbereichen sehr gut vorstellen.»

2020 waren Umsatz und operatives Ergebnis von Gruner + Jahr rückläufig. Die Erlöse lagen bei rund 1,14 Milliarden Euro, das entspricht einem Rückgang von gut 16 Prozent zum Vorjahr. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 30 Millionen Euro auf 127 Millionen Euro. Als Gründe wurden primär Corona-Effekte genannt: rückläufige Werbeerlöse und Vertriebserlöse in der Pandemie.

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