Bühnenverein: Ironie und Sarkasmus lösen keine Widersprüche

23.04.2021 Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), hat die Internetaktion #allesdichtmachen teils bekannter Schauspielerinnen und Schauspieler kritisiert. Die Aktion zeige, «wie zunehmend fragil die Lage in unserer Gesellschaft ist», sagte der SPD-Politiker der dpa in Berlin. «Sie zeigt auch, dass wir uns kümmern müssen und die Widersprüche unserer Zeit aussprechen und diskutieren müssen. Aber bitte konstruktiv und nicht bloß sarkastisch», wandte Brosda ein.

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), steht in seinem Büro. Foto: Jonas Klüter/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Das, was sich im Moment falsch anfühlt, ist schließlich bei aller Kritik im Detail im Kern richtig und notwendig», sagte der Bühnenvereins-Präsident mit Blick auf die Corona-Maßnahmen. «Es ist wichtig, dass wir diese Widersprüche aushalten.»

Brosda wies darauf hin, «dass die Kultur gerade überproportional getroffen ist. Ironie und Sarkasmus aber lösen diese aktuellen Widersprüche in die falsche Richtung auf und drohen zynisch zu wirken. Bei allem Frust, kann Zynismus nicht die richtige Haltung sein.» Brosda warb für «dialektische Zuversicht»: «Jetzt klar und wirklich konsequent gegen die Ausbreitung des Virus handeln, damit eine klare Perspektive für den Neustart der Kultur entsteht. So muss das gehen.»

Unter dem Motto #allesdichtmachen hatten Dutzende Film- und Fernsehschauspieler mit ironisch-satirischen Clips die Corona-Politik der Bundesregierung kommentiert. Die Aktion, an der Künstler wie Jan-Josef Liefers, Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts oder Richy Müller beteiligt sind, hatte für Aufsehen gesorgt. Andere prominente Schauspielkollegen reagierten entsetzt.

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