Landwirte im Norden bauen wieder mehr Weizen und Gerste an

03.05.2021 Gute Aussichten für die Getreideernte im Norden: Die Saat ist gut durch den Winter gekommen. Der jüngste Regen kam gerade zur rechten Zeit. Die Anbauflächen für die wichtigen Sorten Weizen und Gerste werden wieder größer. Einen Verlierer gibt es aber auch.

Mähdrescher fahren nach Sonnenuntergang über ein Getreidefeld. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die aktuelle Regenfront in weiten Teilen des Landes kommt den Bauern in Schleswig-Holstein gerade recht. «Diesen Niederschlag haben wir jetzt benötigt», sagte Getreide-Experte Achim Seidel von der Landwirtschaftskammer der Deutschen Presse-Agentur. «In einzelnen Regionen sind die Oberböden schon ziemlich trocken geworden.» Einige Regentage reichen aber auch nicht aus, um Defizite in tieferen Bodenschichten zu beheben. «Dort wirken die trockenen Sommer 2018 und 2019 immer noch nach», sagte Seidel.

Generell seien die Aussichten für dieses Erntejahr aber erfolgversprechend, nachdem die Kulturen gut durch den Winter gekommen waren - vorausgesetzt, es fällt bis zur Ernte immer wieder regelmäßig Regen.

«Im Herbst vergangenen Jahres waren die Bedingungen für die Aussaat gut», sagte Seidel. Vor diesem Hintergrund haben die Landwirte die Anbauflächen zum Teil auch wieder kräftig ausgeweitet, für Winterweizen im Vorjahresvergleich um 14 Prozent auf 156 600 Hektar, die für Wintergerste um 15 Prozent auf 75 600 Hektar. Dies sind aktuelle Schätzungen des Statistikamtes Nord. Roggen legte demnach sogar um 20 Prozent auf 33 900 Hektar zu.

Der für den Norden besonders wichtige Winterweizen nähert sich damit nach einem Tief 2018 (126 500 Hektar) infolge schlechter Bestellbedingungen im Herbst 2017 einem für Schleswig-Holstein normalen Flächenniveau an. Deutlich mehr als 200 000 Hektar, so wie zum Beispiel 2012 und 2008, werden laut Landwirtschaftskammer aber aufgrund erweiterter Fruchtfolgen wohl nicht mehr erreicht.

Raps, der gerade blüht, verliert weiter an Bedeutung. Hier ging die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr nochmals um zehn Prozent auf 60 600 Hektar zurück. Bis 2006 war die Ölfrucht im Norden nach Winterweizen noch zweitstärkste Kultur; mittlerweile fiel sie auf Platz vier zurück, hinter Mais, Weizen und Gerste. Beim Raps waren die Erträge in den vergangenen Jahren gesunken. Das Verbot von Pflanzenschutzmitteln, zu enge Fruchtfolgen und Wetterkapriolen trugen dazu wesentlich bei.

Beim Mais wird im Norden weiterhin überwiegend Silomais angebaut, als Futter für Rinder und Substrat für Biogasanlagen. 188 600 Hektar betrug die Anbaufläche im vorigen Jahr. Für das laufende Jahr rechnet die Landwirtschaftskammer mit einer tendenziell etwas niedrigeren Anbaufläche, da wieder mehr Winterweizen und Wintergerste bestellt werden konnten. Die amtlichen Zahlen liegen noch nicht vor. Zu Zeiten des Biogasbooms hatte die Maisanbaufläche 2011 schon einmal 194 000 Hektar betragen.

Die Zahl der Biogasanlagen ist aber konstant, neue werden kaum noch gebaut. Dies limitiert auch die Silomais-Anbaufläche. Dieser wird im Übrigen nicht am Markt gehandelt, anders als Körnermais. Dessen Bedeutung wächst langsam. «Körnermais ist gut verwendbar in der Schweine- und Milchviehfütterung», sagte Seidel. Bisher wurde dieser Mais in typischen norddeutschen Sommern oft nicht reif - und auch jetzt schwingt die Gefahr, die späte Ernte aufgrund von Nässe nicht einfahren zu können, immer noch mit. Aber neue Sorten und der Klimawandel kommen dieser Frucht tendenziell zugute.

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