Warburg-Bank sieht Schiffskredit-Abschreibungen kritisch

10.05.2021 Die riesigen Abschreibungen in der Kreditwirtschaft auf Schiffsfinanzierungen sind aus Sicht der Hamburger Warburg-Bank möglicherweise übereilt gewesen. «Für die Schiffsmärkte ist nach den Krisenjahren eine anhaltende Erholung zu verzeichnen», berichtete das Geldhaus am Montag. «Angesichts der aktuell starken Entwicklung sowie der erheblichen Wertkorrekturen, die gerade bei Landesbanken auch den Steuerzahler Milliarden gekostet haben, stellt sich die Frage, ob es richtig war, die Korrekturen unter hohem zeitlichem Druck vorzunehmen.»

Licht fällt auf das Schild der Privatbank M.M. Warburg & Co. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Landesbanken wie die NordLB in Hannover und die inzwischen nicht mehr in ihrer damaligen Form existente HSH Nordbank hatten Schiffskredite im großen Stil vergeben. Als mit der globalen Finanzkrise der Welthandel einbrach, kam es in der Schifffahrt zu großen Überkapazitäten. In der Folge mussten die Banken in ihren Bilanzen faule Schiffsfinanzierungen in Milliardenhöhe abschreiben. «Nicht zuletzt hat infolge der Restrukturierungen die maritime Wirtschaft Deutschlands großen Schaden genommen und im internationalen Wettbewerb erheblich an Bedeutung verloren», so die Warburg-Bank. Auch der Branchenverband VSM wies unlängst darauf hin, dass der faktische Zusammenbruch des Marktes für Schiffsfinanzierungen für Werften den Zugang zu finanziellen Mitteln erheblich erschwert habe.

Die Warburg-Bank hat 2020 ihre roten Zahlen trotz neuer Risikovorsorge bei Schiffsfinanzierungen deutlich reduzieren können. Der Verlust sank vor Steuern auf 6,7 (2019: 40,3) Millionen Euro. Ohne Berücksichtigung der Risikovorsorge «wäre schon für das Geschäftsjahr 2020 ein positives Ergebnis ausgewiesen worden», berichtete das Institut.

Im Zusammenhang mit so genannten Cum-Ex-Geschäften bekräftigte das Geldhaus, dass die inzwischen beglichenen Steuernachforderungen ungerechtfertigt seien. Mit der Zahlung von insgesamt 155 Millionen Euro 2020 habe die «Warburg Gruppe sichergestellt, dass dem Fiskus kein Schaden entsteht», heißt es in der Mitteilung. Dies sei aber «nicht als Schuldeingeständnis zu verstehen». Das Geldhaus wiederholte seine Einschätzung, dass es bei allen Geschäften die gesetzlichen Regeln eingehalten habe.

An umstrittenen Aktiengeschäften rund um den Dividendenstichtag waren über Jahre Banken, Investoren und Steuerexperten beteiligt. Diese Transaktionen haben zu einem Milliardenschaden für die Staatskasse geführt, indem sich Anleger eine einmal gezahlte Kapitalertragsteuer auf Dividenden mehrfach erstatten ließen.

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