Termin für Prozess gegen ehemalige KZ-Sekretärin noch unklar

18.05.2021 Fast 76 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur könnte eine ehemalige KZ-Sekretärin vor Gericht kommen. Sie soll durch ihre Tätigkeit in mehr als 10 000 Fällen Beihilfe zum Mord geleistet haben. Wann und ob der Prozess beginnt, ist laut Gericht noch völlig offen.

Eine Außenansicht mit dem Eingangsbereich zum Landgericht Itzehoe. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Prozessbeginn gegen eine ehemalige KZ-Sekretärin lässt auf sich warten. Die zuständige Kammer des Landgerichts Itzehoe habe noch nicht über die Eröffnung des Verfahrens entschieden, sagte eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Unter anderem werde geprüft, ob es einen hinreichenden Tatverdacht gegen die Angeklagte gebe, der eine Verurteilung wahrscheinlich mache, sagte sie.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll die heute 95 Jahre alte Frau zwischen 1943 und 1945 mit ihrer Arbeit als Sekretärin des Kommandanten des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren des KZ geleistet haben. Ihr werden Beihilfe zum Mord in mindestens 10 000 Fällen und in weiteren Fällen Beihilfe zum versuchten Mord vorgeworfen. Die Frau lebt heute in einem Altenheim im Kreis Pinneberg.

Dem Gericht liegt nach Angaben der Sprecherin inzwischen ein Gutachten zur Verhandlungsfähigkeit der Frau vor. Zu Inhalt und Verfasser des Gutachtens machte sie keine Angaben. Nach einem Bericht des NDR hatte ein Nebenklagevertreter bereits Ende April gefordert, ein weiteres Gutachten zur Verhandlungsfähigkeit der heute 95-Jährigen einzuholen. Der Anwalt war am Montag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Nach einem Bericht der ARD-Tagesschau aus dem vergangenen Jahr war die jetzt angeklagte Frau bereits mehrfach als Zeugin befragt worden. 1954 habe sie ausgesagt, dass der gesamte Schriftverkehr mit dem SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt über ihren Schreibtisch gelaufen sei. Kommandant Paul Werner Hoppe habe ihr täglich Schreiben diktiert und Funksprüche verfügt. Von der Tötungsmaschinerie, der während ihrer Dienstzeit nur wenige Meter von ihr Zehntausende Menschen zum Opfer fielen, habe sie nichts gewusst, sagte sie damals.

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