Kiels Handballer nach Pokal-Enttäuschung vor Charaktertest

07.06.2021 Nach dem Debakel im Pokal müssen die Zebras in der Bundesliga wieder in die Spur finden. Doch am Dienstag geht es ausgerechnet zum SC Magdeburg. Dort haben die Kieler zuletzt im April 2015 gewonnen.

Kiels Manager Viktor Szilagyi schaut in die Kamera. Foto: Frank Molter/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Folgt auf das verpasste Triple der Saison 2019/20 eine Spielzeit 2020/21 ohne Titelgewinn? Die Handballer des THW Kiel stehen nach dem überraschenden Aus im Pokal-Halbfinale gegen den TBV Lemgo Lippe vor einem echten Charaktertest. Am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) steht für die Zebras das immens wichtige Auswärtsspiel beim SC Magdeburg auf dem Programm.

«Das Pokalspiel wird uns noch lange nachhängen», sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. «Aber die Mannschaft muss jetzt auf die Liga umschalten. Und in dieser sind wir nach wie vor auf dem richtigen Weg.» Linksaußen Rune Dahmke will keine Wehmut aufkommen lassen und ruft seine Teamkameraden auf: «Wir haben noch ein großes Ziel, für das wir kämpfen. Das wird nicht leichter nach der herben Enttäuschung, aber jetzt müssen wir Charakter beweisen.»

Die merkwürdige Corona-Spielzeit 2019/20 hätte nach der deutschen Meisterschaft am grünen Tisch und dem Champions-League-Triumph vor gut fünf Monaten mit dem zwölften Sieg im DHB-Pokal gekrönt werden sollen. Doch das Finalturnier in Hamburg endete aus Kieler Sicht mit einem Desaster. Gegen den TBV Lemgo Lippe brachte die Mannschaft von Trainer Filip Jicha einen Sieben-Tore-Vorsprung zur Pause nicht ins Ziel. «Wenn du nicht 60 Minuten Leistung bringst, dann passiert das», sagte der 39 Jahre alte Tscheche nach der Pleite gegen die Lipper. «Vielleicht haben wir unbewusst angefangen, mit weniger Energie zu spielen.»

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann sieht die Pokalpleite weniger dramatisch. «Da sind die Kieler professionell genug», meinte er. «Dass sie das Final Four in der Champions League und auch noch den verspäteten DHB-Pokal verpasst haben, ist bitter für sie. Aber es wird sie nicht beeinträchtigen. Dafür dreht sich das Rad zu schell. Die Mannschaft ist nervenstark.»

In der aktuellen Serie sind die Kieler in der Champions League im Viertelfinale ausgeschieden. In der Liga sehen sie sich nach dem 28:24-Heimsieg des Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt am Sonntag wieder in der Rolle des Jägers. Das Jicha-Team hat zwar eine Partie weniger absolviert als die Flensburger, doch in dieser Situation ist ein Auswärtsspiel in Magdeburg nicht unbedingt wünschenswert.

In der Getec-Arena haben die Zebras nämlich zuletzt am 8. April 2015 gewonnen, seit fünf Spielen warten die Kieler nun schon auf einen Sieg über die Bördestädter. Ende Februar gab es nach einer Corona-Quarantäne ein hart erkämpftes 24:24. Ein weiterer möglicher Stolperstein: Am Dienstag sind bis zu 1500 Zuschauer zugelassen, die den Gewinner der European League nach vorne peitschen werden. 

Welthandballer Niklas Landin fordert in den «Kieler Nachrichten»: «Wir müssen am Dienstag in Magdeburg eine klare Antwort geben – und ich bin auch sehr sicher, dass das passieren wird.» Der Torhüter weist dem Spiel eine Sonderrolle zu. «Die Partie ist mitentscheidend, würde ich sagen. Magdeburg ist immer eines der schwersten Auswärtsspiele.»

Kiels großer Konkurrent glaubt im Übrigen nicht an ein erneutes Stolpern des Rekordmeisters: «Die sind mental so gut drauf. Die werden das aus den Klamotten schütteln», hatte der Flensburger Trainer Maik Machulla schon vor dem SG-Erfolg über die «Recken» aus Hannover gesagt. 

© dpa-infocom GmbH

Weitere News