Ratzeburg: Der neue Verbandsboss «braucht ein breites Kreuz»

16.06.2021 Hannelore Ratzeburg ist seit vielen Jahren die erste und einzige Frau in der ehrenamtlichen DFB-Führungsetage. Vor ihrem Abgang aus Altersgründen äußert sie sich erstmals zur Krise beim Sieben-Millionen-Mitgleider-Verband.

Hannelore Ratzeburg, Vizepräsidentin des Deutschen Fußball-Bundes, gibt ein Pressestatement. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg steht Forderungen nach einer Frau an der Spitze des Verbandes zwiegespalten gegenüber. «Es wäre natürlich toll, wenn wir mehr Frauen hätten. Generell sollten wir offen sein. Aber dass jetzt zwingend eine Frau an der Spitze stehen soll, wirkt auf mich etwas seltsam», sagte die Hamburgerin im einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Ich würde mich freuen, wenn es eine Frau würde - aber nicht mit dem Argument, die Männer haben es an die Wand gefahren, jetzt soll es eine Frau richten.»

Derzeit fordert die Initiative «Fußball ist mehr» mit prominenten Frauen wie Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb mehr Geschlechtergerechtigkeit beim DFB und ein Frauenquote von 30 Prozent in Führungspositionen bei Fußballverbänden.

Ratzeburg scheidet nach Erreichen der Altersgrenze - sie wird am Freitag 70 Jahre alt - beim nächsten Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes aus. Sie war 1995 die erste Frau im DFB-Vorstand - und ist bis heute die einzige.

Die Vizepräsidentin für Gleichstellung, Frauen- und Mädchenfußball sieht trotz der anhaltenden Führungsstreitigkeiten und des Rücktritts von DFB-Boss Fritz Keller nicht den gesamten Verband in Schwierigkeiten. «Es ist eher das Problem, dass Menschen unterschiedliche Auffassungen haben - zum Beispiel im Präsidialausschuss mit Vertretern des DFB und der DFL», erklärte Ratzeburg. «Das hat zu Auseinandersetzungen geführt, die auch in der Öffentlichkeit ausgetragen wurden.»

Der künftige Verbandspräsident müsse eine Person sein, «die in der Lage ist, den Amateur- und Profibereich zusammenzuhalten. Und unser starkes gesellschaftliches Engagement, was oft nicht so bekannt ist, medial verkaufen kann», sagte sie. «Und wohl auch ein breites Kreuz haben.»

Als Kämpferin für den Frauenfußball über Generationen hinweg sei sie öfter enttäuscht gewesen, räumte Ratzeburg ein, die auch Delegationsleiterin der Frauen-Nationalmannschaft ist. «Aber ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass der Frauenfußball eine Riesenzukunft hat.»

© dpa-infocom GmbH

Weitere News