Trinkwasser: Umweltsenator fordert zu sparsamem Umgang auf

16.06.2021 Hamburgs Umweltsenator Kerstan stimmt die Bürger auf heiße Sommer ein. Die CDU-Opposition in der Bürgerschaft beklagt dagegen, der Grünen-Politiker kümmere sich zu wenig um das Thema Wasser.

Ein fließender Wasserhahn. Foto: nikkytok/Techem GmbH/obs/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan hat die Bevölkerung angesichts des Klimawandels und häufiger werdender Dürreperioden zum Wassersparen aufgefordert. «Es ist schon noch notwendig, Wasser zu sparen», sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde der Bürgerschaft zum Umgang mit Wasser in Zeiten des Klimawandels.

Wiederholt erreichten ihn überholte Argumente, dass man mit Wasser nicht sparsam sein solle, weil sonst die Leitungen nicht mehr richtig gespült würden. «Hören Sie nicht auf diese alten Appelle», sagte Kerstan. Das möge in von Bevölkerungsmangel geprägten ostdeutschen Kommunen ein Problem sein. «In unserer Stadt ist das größere Problem, dass wir so stark wachsen in der Bevölkerungszahl, dass die Versorgung mit Wasser ein Problem werden kann.»

In den Klimadebatten werde oft über die Zeitpunkte der einzelnen Schritte gestritten, ob die Ziele 2030, 2035 oder 2050 erreicht werden sollten. «Dabei gerät manchmal in Vergessenheit, dass wir heute schon unter dramatischen Auswirkungen des (...) Klimawandels zu leiden haben», sagte Kerstan. Besonders deutlich sei das beim Wasser zu sehen. So habe er im vergangenen Jahr nach 12 Tagen über 30 Grad am Stück an die Menschen appellieren müssen, auf das Rasensprengen und das Befüllen von Pools zu verzichten. «Hätte diese Hitzewelle nur ein paar Tage länger angehalten, dann hätte ich (...) es nicht bei Appellen belassen können.»

Kerstan prophezeite, dass die künftigen Sommer nur dann so würden wie der Jahrhundertsommer von 2018, wenn die globale Erwärmung um nicht mehr als 1,5 Grad steige. Ansonsten «wird es deutlich schlimmer werden». Auf der anderen Seite müsse Hamburg aber auch häufiger mit Starkregen kämpfen. Kritik aus der Opposition, der Senat kümmere sich zu wenig um den Wasserverbrauch, wies Kerstan zurück. Der Pro-Kopf-Verbrauch sei bereits gesunken. Dass Hamburg insgesamt dennoch mehr Wasser verbrauche, liege daran, dass im Vergleich zu 2011 rund 100.000 Menschen mehr in der Stadt lebten. «Das führt automatisch auch zu mehr Wasserverbrauch.»

Der CDU-Umweltexperte Sandro Kappe betonte, Rot-Grün sollte sich nicht nur zum Umweltschutz bekennen, sondern auch tatsächlich etwas tun. Er forderte mehr Dachbegrünung, mehr Bäume, weniger Versiegelung von Flächen und einen geringeren Wasserbrauch. Bislang sei Rot-Grün in diesen Bereichen nicht sonderlich gut. So seien von den städtischen Dachflächen nur 3 Prozent begrünt, Brauchwasseranlagen gebe es nur in 5 der 1025 städtischen Gebäude und die versiegelte Fläche sei von 36 auf 39 Prozent gestiegen. «Das nennt man doch keine sinnvolle Politik», sagte Kappe.

Der Linken-Abgeordnete Stephan Jersch forderte neue Strategien im Umgang mit Wasser. Finanziert werden könnte dies durch die zweistelligen Millionengewinne, die Hamburg Wasser jährlich an die Stadt abführe. «Der Gewinn wäre besser in Wasserstrategien für eine nachhaltige Zukunft investiert.»

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