Neuer Marine-Inspekteur lenkt Blick auf China und Russland

25.06.2021 Der neue Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach (56), hat seine Soldaten auf eine wichtigere internationale Rolle Deutschlands eingestellt. Mit Blick auf die Bedrohungsanalyse der Nato sei es notwendig, nicht nur defensiv handeln zu können, sagte Schönbach am Freitag in einer Grundsatzrede an der Marineunteroffiziersschule in Plön (Schleswig-Holstein). Als Beispiele nannte er eine «stetige» Aufrüstung von Russland und China.

Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach steht im Hof der Offiziersschule der Deutschen Marine. Foto: picture alliance / Alexander Preker/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Allein China hat in den letzten vier Jahren Schiffe in der Zahl der gesamten französischen Marine in Dienst gestellt und ein enges Netzwerk an weltweit verteilten Marinestützpunkten aufgebaut», sagte der Inspekteur laut Redemanuskript. «Dabei geht es offensichtlich nicht nur um die Sicherung der Handelswege oder einen sichtbaren Beitrag zum Konfliktmanagement, sondern vor allem um Machtprojektion.»

Er habe häufig den Eindruck, dass die Marine bei Alliierten und Partnern als «zahnloser Tiger» gelte. Ihre Professionalität werde geschätzt, jedoch fehle nach Wahrnehmung der Partner die Ausrichtung auf Bedrohungen. Die geplante Fahrt der Fregatte «Bayern» in den Indopazifik sei ein erster Schritt und werde von «Wertepartnern» wie Australien, Singapur und Japan begrüßt. «Unser oberstes Ziel muss es sein, die Marine der Politik weiterhin als verlässliches und vielseitiges Instrument anzubieten.»

Schönbach sagte, in den ersten 100 Tagen seit Amtsübernahme sei er auf viele Probleme gestoßen. Er nannte Beschaffungsschwierigkeiten und Blockaden durch das Regelwerk bei gleichzeitig hohen Erwartungen an die Einsatzfähigkeit. Sofort anpacken könne die Marine eine «Refokusierung auf die Fähigkeit und den Willen zum Kampf». Wenn das hochintensive Gefecht beherrscht werde, seien alle anderen Aufträge «automatisch abwärtskompatibel».

Besonders wichtig sei ihm das Miteinander. «Wer Menschenwürde verteidigt, muss Menschen würdig behandeln», so Schönbach. «Weder Rassismus noch Homophobie, weder das Geschlecht noch das Alter haben Einfluss auf meine Haltung und genau das erwarte ich von Ihnen allen. Für Diskriminierung jeglicher Art ist in unserer Marine kein Platz!»

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