Priorisierung im Impfzentrum aufgehoben: 41.000 neue Termine

28.06.2021 Bislang durften im Hamburger Impfzentrum nur Menschen mit besonderer Berechtigung geimpft werden. Jetzt können sich dort alle Hamburger um einen Corona-Schutz bemühen. Weil Bürokratie entfällt, soll das Impftempo in der Hansestadt zulegen.

Ein Arzt impft eine Frau gegen Corona. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach dem Ende der Priorisierung im zentralen Corona-Impfzentrum könnte sich jetzt die Hamburger Impfkampagne beschleunigen. Aufgrund der nachlassende Nachfrage bei den bislang priorisierten Gruppen, zu denen über 60-Jährige, Menschen mit Vorerkrankungen oder Berufe mit hohem Infektionsrisiko gehörten, gab die Gesundheitsbehörde am Montag die verfügbaren Termine für alle Hamburger ab 18 Jahren frei. Damit entfällt im Impfzentrum auch die Prüfung von Unterlagen, mit denen die Impfinteressenten ihre Berechtigung nachweisen mussten. «Bitte nutzen Sie diese Gelegenheit!», appellierte Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) an die Bürger.

Hausärzte können bereits seit dem 7. Juni jeden impfen, der es will. Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte versorgen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg rund 65.000 Menschen pro Woche mit einer Schutzimpfung. Im zentralen Impfzentrum werden laut Gesundheitsbehörde um die 8000 Impfdosen pro Tag verabreicht. Es seien auch schon 11.000 Menschen an einem Tag geimpft worden, hieß es. Die nun wegfallende Berechtigungsprüfung werde die Leistungsfähigkeit des Impfzentrums weiter steigern. «Wir rechnen mit erheblich verringertem Verwaltungsaufwand und dadurch zügigeren Abläufen», sagte Behördensprecher Martin Helfrich.

Im Impfzentrum standen in der vergangenen Woche 52.000 Termine für Erstimpfungen zur Verfügung, von denen aber einige Tausend bis zum Wochenende nicht vergeben wurden. Am Montagmorgen seien insgesamt rund 10.000 Termine buchbar gewesen. Nach Aufhebung der Priorisierung seien innerhalb von Stunden fast alle Termine gebucht worden, berichtete Helfrich. Am Nachmittag stellte die Behörde weitere 41.000 Termine zur Verfügung, überwiegend mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna. «Wir rechnen darüber hinaus mit etlichen Tausend weiterer Termine, die wir im Laufe des Juli je nach Impfstofflieferungen freigeben können.»

Auch nach der für August geplanten Schließung des zentralen Impfzentrums werden sich Hamburger nicht nur bei Haus- und Betriebsärzten impfen lassen können. «Aller Voraussicht nach wird dieser zentrale Standort bis August betrieben, auch hoffentlich unter guter Auslastung, dann wird es ein Folgekonzept geben an dezentralen Standorten», sagte Leonhard. Auch die mobilen Impfteams könnten weiterhin im Einsatz sein. Denn die Behörde stelle sich darauf ein, dass die sehr früh im Januar geimpften Menschen in hohem Alter oder mit Vorerkrankungen eine Auffrischungsimpfung brauchen könnten.

Ein vollständiger Impfschutz helfe auch sehr gut gegen die als ansteckender geltende Delta-Variante, sagte die Senatorin. Derzeit gebe es in Hamburg 30 bis 40 bestätigte Infektionen mit der zuerst in Indien nachgewiesenen Variante. Angesichts der Diskussion über eine Verschärfung der Reisevorschriften rief Leonhard die Rückkehrer aus Risikogebieten auf, freiwillig einen PCR-Test zu machen. Ein Antigen-Schnelltest reiche womöglich nicht aus.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte zuvor kritisiert, dass bei Einreisen aus Risikogebieten derzeit ein einmaliger, einfacher Antigen-Test reiche, um eine Quarantäne zu vermeiden. «Das ist zu unsicher», sagte er der «Welt». Stattdessen sollten alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten grundsätzlich in Quarantäne gehen, die frühestens nach fünf Tagen bei einem negativen PCR-Test aufgehoben werden dürfe.

Zu den Risikogebieten zählen laut Robert Koch-Institut in Europa derzeit Teile Spaniens, Schwedens, Irlands und Kroatiens sowie Belarus und die Türkei. Hochinzidenzgebiete gibt es zurzeit nur in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika. Großbritannien - und ab Dienstag - auch Portugal und Russland wurden als Virusvariantengebiete eingestuft.

Die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen erhöhte sich am Montag in Hamburg um 15. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl neuer Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, stieg laut Gesundheitsbehörde leicht von 9,3 auf 9,4. Vor einer Woche hatte der Wert 11,0 betragen.

945.612 Menschen sind in Hamburg bereits einmal gegen das Coronavirus geimpft worden, wie aus Zahlen des RKI hervorgeht. Das entspricht den Angaben zufolge 51,2 Prozent der Einwohner. Ihre Zweitimpfung haben bis einschließlich Sonntag 632.437 Bürger oder 34,2 Prozent der Bevölkerung bekommen. Im Vergleich der Bundesländer liegt Hamburg beim Impftempo im unteren Bereich.

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