Hingucker in der Hafencity: 65 Meter hohes Wohnhaus aus Holz

11.09.2021 Kleine Wohnhäuser aus Holz sind inzwischen recht verbreitet. Im Geschossbau wird dagegen meist noch konventionell gebaut, mit Ziegeln, Mörtel, Beton. Bauexperten wollen das ändern - zum Wohle des Klimas.

Die Visualisierung des Architektenbüros Störmer Murphy and Partners zeigt das geplante Holzhochhaus «Roots». Foto: Garbe Immobilien-Projekte/Störmer Murphy and Partners/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In der Hamburger Hafencity entsteht in den nächsten zwei Jahren ein neuer Hingucker: Im Elbbrücken-Quartier errichtet der Immobilienentwickler Garbe ein 65 Meter hohes Wohnhaus mit rund 180 Wohnungen, das bis auf den Sockel und die unteren Geschosse komplett aus Holz gefertigt ist. Am Montag will der Chef der Garbe Immobilien-Projekte GmbH, Fabian von Köppen, gemeinsam mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher symbolisch den Grundstein legen. Erste Bauarbeiten laufen bereits seit dem vorigen Herbst. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant, 2024 sollen die Wohnungen übergeben werden. Nach Angaben des Entwicklers würde es sich derzeit um das höchste Holzhochhaus in Deutschland handeln.

Für von Köppen ist das «Roots» (englisch für «Wurzeln») genannte Haus der Beginn einer «Mission», die den Städtebau verändern soll, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte: «Wir wollen die Städte mit Holz klimaneutral nachverdichten. Wir kaufen uns damit ein bisschen Zeit, Zeit die wir an anderer Stelle verspielt haben.» Holz gilt als sehr effektiver CO2-Speicher, weil Bäume im Laufe des Wachstums große Mengen des klimaschädlichen Gases dauerhaft speichern. «Stellen Sie sich vor, dass das Material unseres Hauses in 23 Minuten komplett nachwächst.»

Nach von Köppens Einschätzung ist es im Interesse des Klimaschutzes «höchste Zeit», dass der Holzbau in größerem Stil im Immobiliensektor Einzug hält. Zwar ist der Baustoff Holz bei Ein- oder Zweifamilienhäusern inzwischen verbreitet: Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes liegt die Holzbauquote in diesem Bereich bei rund 23 Prozent, bei größeren Wohngebäude bislang aber erheblich niedriger.

Experten weisen dem Immobiliensektor im Kampf gegen den Klimawandel inzwischen eine Schlüsselrolle zu. Nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms (Unep) steht der Betrieb von Gebäuden weltweit für 28 Prozent der gesamten energiebedingten CO2-Emissionen. «Rechnet man die Emissionen aus dem Gebäudebau hinzu, steigt dieser Anteil auf 38 Prozent der gesamten energiebedingten CO2-Emissionen weltweit», heißt es in einem Unep-Statusbericht über die klimapolitische Bedeutung des Sektors.

Auf einer Geschossfläche von rund 20 600 Quadratmetern birgt «Roots» den Planungen zufolge 181 Wohneinheiten; 128 sind Eigentumswohnungen, der Rest sind öffentlich geförderte Wohnungen. Entworfen wurde das Projekt vom Hamburger Architekturbüro Störmer Murphy and Partners.

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