Spies: Impfstoffproduktion ist in Marburg Tagesgeschäft

13.01.2021 Der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) erwartet durch die Ansiedlung des Corona-Impfstoffherstellers Biontech wichtige Impulse für die Stadt. «Wir halten es in Marburg für eine tolle Chance, dass Biontech den Standort gewählt hat», sagte Spies der Deutschen Presse-Agentur. Es sei durchaus logisch, dass das Mainzer Unternehmen in der mittelhessischen Stadt seine neue Produktionsstätte gefunden habe: «Sie brauchen die Leute, die das nötige Know-how haben, die die praktische Fertigung beherrschen. Und da ist Marburg einer der ganz wenigen Standorte, wo die Impfstoffproduktion bereits Tagesgeschäft ist.»

Thomas Spies sitzt im hessischen Landtag. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Biontech hatte vor wenigen Wochen vom Schweizer Konzern Novartis ein Pharma-Werk in Marburg übernommen. Die Produktion dort soll im Februar anlaufen. Im ersten Halbjahr 2021 sollen hier 250 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs hergestellt werden. Als Gesamtmenge einer Jahresproduktion streben die Mainzer 750 Millionen Dosen an. Das Werk liegt auf dem Gelände des Pharma-Standortes «Behringwerke», dessen Ursprung vor mehr als 100 Jahren auf den Medizin-Nobelpreisträger Emil von Behring (1854-1917) zurückgeht.

«Der Standort ist sich seiner Tradition als Ort der Impfstoffherstellung bewusst», betonte Oberbürgermeister Spies. Dieser Teil von Marburgs Geschichte sei in der Vergangenheit allgemein vielleicht nicht so bekannt gewesen, weil Impfungen anders als zur Zeit Behrings zur Selbstverständlichkeit geworden seien. «Jetzt sind wir in einer Situation, in der Impfen auf einmal eine ganz neue Qualität hat», sagte er mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Marburg könne man im Pharma-Bereich auch als «Hidden Champion» sehen - der trotzdem «eine unglaubliche Dynamik in den letzten zehn Jahren entwickelt hat». Der Standort sei um ein Drittel gewachsen. Mehrere Firmen mit insgesamt etwa 6500 Mitarbeitern sind hier ansässig. Die Branche brachte der Stadt nach eigenen Angaben zwischen 2015 und 2018 jährlich durchschnittlich 90 Millionen Euro Gewerbesteuer ein. Klar sei: Marburgs Pharma-Bereich lebe «von der Kompetenz der Menschen und der Attraktivität des Standortes für die Leute, die man dafür braucht», sagte Spies. Die Stadt bemühe sich darum, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

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