Polizeipräsidium benennt Räume nach Polizisten im Widerstand

27.01.2021 Symbolisches Datum und eine Geste auch für die Gegenwart: Im Polizeipräsidium Frankfurt sind seit Mittwoch die drei großen Mehrzweckräume nach Polizisten benannt, die während des Nationalsozialismus Widerstand gegen das Regime geleistet haben. «Sie haben sich damals selbst unter widrigsten Bedingungen und unter Lebensgefahr zu Menschlichkeit und Demokratie bekannt und stehen mit ihrem vorbildhaften Handeln stellvertretend für alle aufrechten Polizisten zur Zeit des Nationalsozialismus», sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill über die Polizisten Ferdinand Mührdel, Otto Kaspar und Christian Fries. Der 27. Januar ist der Internationale Gedenktag für die Opfer nationalsozialistischer Herrschaft.

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Mehrzweckräume sind normalerweise das «soziale Herz» des Polizeipräsidiums, wo viele Polizisten und Gäste Gelegenheit hätten, etwas über die Namensgeber zu erfahren, begründete Bereswill die Benennungen. Zugleich betonte er, die drei Polizisten seien eine Ausnahme ihrer Zeit gewesen - ein Großteil der Polizisten sei den Nationalsozialisten willfährig gefolgt, die Polizei sei ein zentrales Machtinstrument gewesen. Daher wird noch bis März im Polizeipräsidium eine Ausstellung über die Polizei im NS-Staat gezeigt. Ein ebenfalls am Mittwoch vorgestelltes Buch über die Frankfurter Polizei im Nationalsozialismus soll allen Dienststellen zugänglich gemacht werden.

Dies alles sei auch Teil der Maßnahmen nach Bekanntwerden einer Chatgruppe mit rechtsextremen Inhalten in einem Frankfurter Polizeirevier und den NSU 2.0.-Drohungen unter anderem an die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz und die Linken-Politikerin Janine Wissler. «Auch wir sind nicht völlig immun gegen rechtsextremistisches Gedankengut», sagte Bereswill zu Verdachtsfällen innerhalb der hessischen Polizei. «Rechtsextremistische und rassistische Verdachtslagen innerhalb der Polizei, rechtsterroristische Anschläge wie der von Hanau am 19. Februar 2020 und das in der Gesellschaft um sich greifende rechtsextreme Gedankengut sind besorgniserregend.»

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