Klage gegen ehemaligen Awo-Funktionär bereits eingereicht

14.02.2021 Ein Jahr nach Beginn der Aufarbeitung des Frankfurter Awo-Skandals hat die neue Führung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) auch juristisch den Kurswechsel eingeleitet. Die erste Klage gegen den früheren Chef des Kreisverbands sei bereits eingereicht, sagte Petra Rossbrey, die Vorsitzende des ehrenamtlichen Präsidiums, der Deutschen Presse-Agentur zu den Regressansprüchen, die gegen die alten Funktionäre geltend gemacht werden. Sie gehe davon aus, dass die Rechtsstreitigkeiten mit Hauptverantwortlichen, von denen sich der Verband mittlerweile getrennt habe, in diesem Jahr abgeschlossen werden können.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Der Schaden ist natürlich sehr groß, aber wir haben keine Liquiditätsschwierigkeiten mehr», sagte Rossbrey. Ein Wirtschaftsplan sei verabschiedet worden - und anders als unter den Vorgängern sei dieser «nicht einfach abgenickt», sondern kritisch überprüft und diskutiert worden». «Wir sind nicht mehr Getriebene, die von einer Katastrophe in die nächste stolpern, sondern können jetzt die weitere Entwicklung des Verbandes gestalten», betonte Rossbrey zum Stand der Aufarbeitung und der wirtschaftlichen Konsolidierung.

Am 15. Februar 2020 hatten die Awo-Delegierten ein neues Präsidium gewählt, das mit einem neuen Vorstand den Skandal um überhöhte Gehälter, Luxus-Dienstwagen und finanzielle Verflechtungen aufklären sollte. Die Frankfurter Staatsanwalt ermittelte gegen damalige Führungsmanager wegen Verdachts auf Betrugs und Untreue. Die Ermittlungen dauern nach wie vor an. Der neue Awo-Vorstand beziffert den wirtschaftlichen Schaden durch die einstigen Funktionäre auf mindestens 6,3 Millionen Euro.

«Es ist natürlich ein Marathon», sagte der Awo-Vorstandsvorsitzende Steffen Krollmann. «Wir haben einen Wirtschaftsplan, einen Personalplan, eine Liquiditätsplan. Wir planen Investitionen in siebenstelliger Höhe in den großen Liegenschaften, etwa Erneuerung von Aufzugsanlagen.» Auch was die Gespräche mit der Stadt Frankfurt angehe, sei er zuversichtlich. «Wir wissen, dass wir noch eine Strecke vor uns haben und dass wir Vertrauen auch wieder zurückgewinnen müssen. Das heißt aber nicht, dass wir zu allem Ja und Amen sagen. Aber wichtig ist: Wir reden miteinander, nicht übereinander.»

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