Abi unter Corona-Bedingungen gestartet: Lorz lobt Prüflinge

21.04.2021 Keine Abschlussfahrt, keine Party, keine Reise nach den Prüfungen: Die hessischen Abiturienten müssen wegen der Corona-Pandemie auf viel Spaß verzichten. Kultusminister Lorz zollt den Prüflingen für ihr Durchhaltevermögen und ihre Leistung großen Respekt.

Stühle stehen in einem Klassenraum, in dem Abiturprüfungen abgelegt werden sollen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Geöffnete Fenster, noch mehr Platz als üblich sowie griffbereite Masken und Corona-Tests - für 23 500 Schülerinnen und Schüler sind die schriftlichen Abiturprüfungen am Mittwoch in Hessen unter ganz besonderen Bedingungen gestartet. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zollte dem Prüfungsjahrgang daher auch besonderen Respekt: «Ihr seid nicht der Corona-Jahrgang. Und wenn doch, dann nur im positiven Sinne», betonte der Minister kurz vor Beginn der schriftlichen Prüfungen. «Denn wer in diesem Jahr das Abitur schreibt, der wird die Prüfungen unter einmaligen Bedingungen gemeistert und sein Können unter Beweis gestellt haben.»

An insgesamt 269 Schulen im Land werden die Prüfungen für das Landesabitur 2021 abgelegt. Alle Prüfungen finden unter den besonderen Corona-Bedingungen mit Abstand- und Schutzmaßnahmen statt. Die Schüler haben die Möglichkeit, sich vorher selbst mit einem Stäbchen auf das Coronavirus zu testen. Wer das nicht möchte, muss eine medizinische Maske tragen.

Wegen der besonderen Bedingungen erhalten die Prüflinge nach Angaben des Kultusministeriums in diesem Jahr auch zusätzliche Zeit, die sie im Rahmen der Prüfung individuell nutzen können. Die Schulen haben zudem für jedes Prüfungsfach einen zusätzlichen Aufgabenvorschlag erhalten. Damit sollte jede Lehrkraft die Möglichkeit bekommen, vor dem Hintergrund des Kenntnisstands ihrer Schüler eine entsprechende Vorauswahl zu treffen.

Dass das ein wichtiger Aspekt für die Prüflinge ist, betonte Landesschulsprecher Dennis Lipowski: Sorgen mache den angehenden Abiturienten, dass in manchen Fächern das Detailwissen bei der Vermittlung des Unterrichtsstoffs fehle. Durch den relativ großen Anteil des Präsenzunterrichts sei es zwar geschafft worden, inhaltlich alles für die Abiturprüfungen grob abzudecken, sagte Lipowski der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. «An manchen Punkten fehlt halt einfach die Tiefe. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass man dann nicht die Punkte holt.»

Für die Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen sieht der Landesschulsprecher die Schulen jedoch gewappnet. Die Abschlussklassen hätten relativ viel Präsenzunterricht in der Schule gehabt. «Deswegen kennen wir die Situation ja schon.» Sicherheitsbedenken seien daher nicht der große Punkt bei den Abiturprüfungen.

Für die Schüler sei das Abitur unter diesen Corona-Bedingungen ein trauriger Abschluss. Es habe für den Jahrgang keine Klassenfahrten gegeben. Auf die traditionell große Abifeier müsse verzichtet werden. Das bedrücke und betrübe schon sehr viele Schüler, sagte Lipowski. An seinem letzten Schultag sei er beispielsweise nach der dritten Stunde aus der Schule gescheucht worden. Möglicherweise sei der Tag das letzte gemeinsame Zusammensein gewesen. «Es ist ein trauriger Abschluss des Lebensabschnitts.»

Auch sei noch nicht klar, ob wegen der Corona-Lage die akademische Abschlussfeier nach den Abiturprüfungen stattfinden wird, erklärte der Landesschulsprecher. Dabei werden traditionell allen Schülern zusammen die Abiturzeugnisse überreicht. Jeder hofft, dass es bald wieder weiter gehe und dann halbwegs normal in die Ausbildung oder das Studium gestartet werden könne. Die Landesschülervertretung vertritt die Interessen der insgesamt 800 000 Schüler im Land.

Auch der Vorsitzende des Berufsverbands Hessischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, Ludger Busch, betonte die besondere Situation für die angehenden Abiturienten. Die Abschlussjahrgänge seien zwar gegenüber den jüngeren Schülern privilegiert gewesen, weil sie größtenteils Präsenzunterricht gehabt hätten. Allerdings seien Freizeitaktivitäten, soziale Kontakte und persönliche Treffen eingeschränkt gewesen. «Da hat sicher ein Ausgleich gefehlt».

Das betreffe auch die Arbeit in Lerngruppen und der Austausch mit Gleichgesinnten. Es gehe ja nicht nur um das Inhaltliche, sondern auch um das sozial Stützende in so einer Phase, sagte Busch, der als Schulpsychologe im staatlichen Schulamt in Gießen arbeitet. Natürlich hätten die Jugendliche einen anderen Umgang mit Online-Plattformen und digitalen Kontakten, aber «ich glaube nicht, dass es ein vollwertiger Ersatz ist».

Hinzu komme, dass die Abizeit eine prägende Phase sei, die auch den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt markiere. Dazu gehörten auch Party, der Abiball oder Reisen. «Das wird fehlen und das wir man nicht in dieser Form nachholen können», erklärte der Experte.

Mit den Leistungs- und Grundkursen im Fach Chemie haben die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen begonnen. Landesweit 3000 Schüler waren nach Angaben des Kultusministeriums dabei am Start. Am Donnerstag geht es unter anderem mit den Fächern Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft sowie Sport und Religion weiter. Der Zeitraum für die schriftlichen Prüfungen ist bis 5. Mai angesetzt. Die Termine für die Nachprüfungen sind vom 18. Mai bis 2. Juni.

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