Probenbeginn für «Der Club der toten Dichter»

14.05.2021 Die Corona-Pandemie hat die Theater in Deutschland schwer getroffen, viele Spielstätten sind geschlossen und Spielpläne ausgesetzt. In Bad Hersfeld hofft man nach der Absage im vergangenen Jahr ab 1. Juli auf eine gelungene Festspielsaison. Die Stars finden sich bereits ein.

Ein Plakat für das Stück "Club der toten Dichter" hängt neben der Stfitsruine in einem Schaukasten. Foto: Uwe Zucchi/dpa/aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Knapp sieben Wochen vor Beginn der Bad Hersfelder Festspiele beginnen für die europäische Uraufführung der Bühnenversion von «Der Club der toten Dichter» die Proben. Dazu ist unter anderem der bekannte Theater- und Fernseh-Schauspieler Götz Schubert angereist, der in dem Stück die Hauptrolle des Lehrers John Keating übernimmt. Intendant Joern Hinkel zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass das Theaterfestival, für das auch in diesem Jahr ein umfassendes Hygienekonzept gilt, wie zuletzt geplant über die Bühne gehen kann.

«Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir an einem Ort spielen, wo wir riesige Flächen haben, wo wir sowohl für die Darsteller als auch im Zuschauerraum so viel Platz haben, dass wir genügend Menschen unterbringen können, und wir sind an der frischen Luft», sagte Hinkel am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Das seien Gegebenheiten, die viele andere Theater nicht bieten könnten.

Zusammen mit dem Drehbuchautor von «Der Club der toten Dichter», Tom Schulman, hatte Hinkel eine eigene Fassung des oscarprämierten Hollywoodfilms geschrieben. Dem im sächsischen Pirna geborenen Götz Schubert (58) bedeutet die Geschichte um Selbstverwirklichung und freies Denken viel, wie er der dpa sagte. Sie beschreibe sehr treffend sein eigenes Lebensgefühl im diktatorischen System der damaligen DDR. Gerade die Corona-Pandemie habe dem Stoff nun «nochmal so richtig Aktualität verliehen», sagte Schubert. In dem Stück gehe es um Grundfragen des Lebens, der Erziehung, des Daseins. «In den letzten Monaten ist ja viel von Haltung die Rede gewesen und genau darum geht's in dem Stück: Haltung zu finden, Haltung zu beziehen.» Corona habe vor Augen geführt, wo es überall hapere.

An die Politik appellierte Schubert, möglichst mehr Theater unter freiem Himmel wie bei den Bad Hersfelder Festspielen zu ermöglichen. «Ich hoffe sehr, dasss die sich damit beschäftigten und dass sie unbürokratisch und sehr schnell Entscheidungen treffen, die das möglich machen, und zwar im ganzen Land», sagte der Schauspieler. Es sei für alle Menschen von «exorbitanter Wichtigkeit», sich dem Genuss von Kunst und Kultur hingeben zu können. «Ich glaube, das würde auch die Moral im Land sehr heben», sagte Schubert.

Am Freitag gaben die Organisatoren auch weitere Darsteller der diesjährigen Festspiele bekannt. Dazu gehören Janina Stopper als «Momo» im gleichnamigen Stück nach Michael Ende sowie Abla Alaoui und Philipp Büttner, die im Musical «Goethe!» zu sehen sein werden. Es erzählt von der Liebe des Dichters zu Charlotte Buff, die Johann Wolfgang von Goethe zu seinem Briefroman «Die Leiden des jungen Werther» inspirierte. Ein wenig zeige das Stück Goethe als «ersten Popstar», sagte Büttner. Er hoffe, dass gerade junge Menschen auch dank der Musik einen guten Zugang zu dem Stoff finden.

In allen drei Stücken stünden Visionäre mit ihren Träumen im Mittelpunkt, sagte Hinkel. «Alle drei zweifeln an den althergebrachten Strukturen und wollen die sprengen». Träumen müsse man dürfen, vor allem auch im Theater, sagte Hinkel. «Das ist eigentlich einer der besten Orte, um träumen zu können.»

Das Hygienekonzept der 70. Bad Hersfelder Festspiele sieht unter anderem eine schachbrettartige Anordnung der Sitzplätze in der Stiftsruine vor. Sollte sich der Rückgang der Infektionszahlen so fortsetzen wie zuletzt, könnten möglicherweise auch mehr Zuschauer als bisher geplant hereingelassen werden, sagte Hinkel. Grundsätzlich bleibe zu hoffen, dass die Menschen vernünftig und besonnen blieben. «Natürlich hat sich viel Emotion angestaut, aber man muss trotzdem ruhig bleiben und die Nerven bewahren», sagte der Intendant.

Der Vorverkauf für die Festspiele war Anfang Dezember gestartet. Für die 70. Spielzeit hatten die Macher wegen der unklaren Entwicklung der Corona-Pandemie mit Einschränkungen geplant. So werden weniger Stücke auf die Bühne gebracht, als sonst üblich, wie Hinkel erklärt hatte. Das Platzangebot in der Stiftsruine, die üblicherweise rund 1300 Plätze bietet, wird nach bisheriger Planung auf rund 600 beschränkt.

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