Salzbachtalbrücke: Im Rhein-Main-Gebiet droht Verkehrschaos

20.06.2021 Keine schönen Aussichten für Tausende Berufspendler: Wegen deutlicher Risse ist die Salzbachtalbrücke der Hauptverkehrsader zwischen Wiesbaden und Frankfurt überraschend gesperrt worden. Für den Abriss eines Brückenteils sind Bagger im Gespräch - oder eine Sprengung.

Die Polizei lenkt an der Salzbachtalbrücke den Verkehr um. Foto: Michael Ehresmann/Wiesbaden112/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weil nach der Entdeckung deutlicher Risse die Salzbachtalbrücke der Autobahn 66 bei Wiesbaden vorerst gesperrt bleibt, befürchtet die Polizei ein Verkehrschaos in der neuen Woche. Am Montag sollte wieder der Berufsverkehr im Rhein-Main-Gebiet starten. Die empfohlene weitläufige Umleitung über den Mainzer Autobahnring auf der anderen Rheinseite könnte bei Staus in der Rush Hour womöglich eine Stunde länger dauern, sagte ein Mainzer Polizeisprecher am Sonntag. In beiden am Rhein gegenüberliegenden Landeshauptstädten Wiesbaden und Mainz wurden massive Verkehrsbehinderungen erwartet, zumal auch der Bahnverkehr beeinträchtigt ist.

Wie lang die 58 Jahre alte Salzbachtalbrücke aus Sicherheitsgründen gesperrt bleibe, könne zunächst noch nicht vorhergesagt werden, hatte ein Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes am Samstag vor Ort erklärt. Das «Schadensbild» müsse zunächst «umfangreich geprüft werden». Dazu werde es ein Gutachten und ein Konzept geben, wie es weitergehe.

Die Brücke der A66 war am Freitagabend voll gesperrt worden, nachdem in Überbau und Pfeiler der südlichen Hälfte große Risse entdeckt worden waren. Zudem fielen Betonteile herab. Der Überbau hatte sich abgesenkt. Die A66 ist die Hauptverkehrsader zwischen Wiesbaden und Frankfurt. An Werktagen fahren gewöhnlich rund 80 000 Fahrzeuge über die gut 300 Meter lange Brücke.

Die Autobahn GmbH teilte am Sonntag mit, zu ermitteln sei auch, inwieweit das nördliche, bis Freitag noch vom Verkehr genutzte Brückenteil ebenfalls beschädigt sein könnte. Die Sicherheit gehe vor. Beim ohnehin bald geplanten Abriss des südlichen Teils mit den Rissen müsse nun ein Gutachter zwei Lösungen gegeneinander abwägen: «Das konventionelle Abbruchkonzept mit Baggern, die das Bauwerk abknabbern, oder eine Sprengung. Der Direktor der Niederlassung West der Autobahn GmbH, Ulrich Neuroth, betonte: «Keine einfache Aufgabe und zudem eine, die Zeit in Anspruch nehmen wird.» Langfristig soll auch das nördliche Brückenteil erneuert werden. Auf der A66 weisen laut der Autobahn GmbH inzwischen Anzeigetafeln die großräumigen Umleitungen aus.

Die Brückensperrung hatte schon am Wochenende zu Verkehrsbehinderungen geführt: Vor den Ableitungen von der Autobahn staute sich laut einem Frankfurter Polizeisprecher der Verkehr. Am Samstagmittag beispielsweise sei der Stau vor der Umleitung in Richtung Frankfurt etwa drei Kilometer lang gewesen.

Sowohl die A66 (Wiesbaden-Frankfurt) als auch die unter der Brücke verlaufende B263 (Mainzer Straße) sind in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Zudem ist laut Polizei der Bahnverkehr ab Hauptbahnhof Wiesbaden eingeschränkt, denn unter der Brücke verlaufen die Gleise. Der Bahnverkehr sei derzeit zwischen dem Hauptbahnhof Wiesbaden und Wiesbaden-Ost gesperrt. Die S-Bahnen aus Mainz führen nun bis Wiesbaden-Ost und dann weiter nach Frankfurt.

«Im Großen und Ganzen rollen die Züge zwischen Mainz und Frankfurt.» Mit Sicherheit werde es aber auch am Montag zu weiteren Behinderungen kommen, sagte der Frankfurter Polizeisprecher. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) teilte mit, der Halt «Wiesbaden Hauptbahnhof» entfalle, einzelne Linien endeten in «Wiesbaden Ost». Betroffen sind RE9, RB10, RB75, S1, S8 und S9. Zwischen Wiesbaden-Ost und dem Hauptbahnhof gebe es Ersatzbusse, teilte der RMV mit.

Die Mainzer Polizei berichtete am Sonntag zudem: «Darüber hinaus werden nach derzeitigem Stand in Rheinland-Pfalz ab Montagmorgen, 3.00 Uhr, private Busunternehmen in einen unbefristeten Streik treten. Die Auswirkungen sind derzeit nicht absehbar, dürften jedoch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beeinflussen.» Die Polizei riet Autofahrern, mehr Fahrzeit einzuplanen, Hauptverkehrszeiten möglichst zu meiden oder gleich im Home Office zu arbeiten.

Der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) betonte mit Blick auf die herabgestürzten Brückenteile: «Glücklicherweise ist in dieser heiklen Lage niemand zu Schaden gekommen.» Die Stadt Wiesbaden teilte mit: «Für den unmittelbaren Gefahrenbereich rund um die Brücke ist eine Sicherheitszone eingerichtet.» Diese dürfe nicht betreten oder befahren werden.

Erinnerungen an einen nahen Bauunfall 2015 werden wach: Damals musste die Schiersteiner Brücke der A643 von Wiesbaden nach Mainz unverhofft gesperrt werden. Ein Verkehrschaos war die Folge. Sogar eine Notfähre auf dem Rhein wurde eingerichtet.

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