Sternfahrt und Kundgebung zum Gedenken an Anschlagsopfer

20.06.2021 Neun Menschen sind 2020 in Hanau einem rassistischen Anschlag zum Opfer gefallen. Hunderte Bürger haben jetzt an sie erinnert. Das Stadtoberhaupt fordert einen Abschluss der Ermittlungen.

Eine Frau steht mit einem Helm, auf dem «#saytheirnames» steht, auf der Kundgebung nach der Fahrradsternfahrt «Stern für Hanau» zur Erinnerung an den rechtsterroristischen Anschlag von Hanau. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Fast eineinhalb Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau haben mehrere Hundert Menschen mit einer Sternfahrt und einer Kundgebung auf dem Hanauer Freiheitsplatz an die neun Getöteten erinnert. Viele Teilnehmer trugen gelbe Warnwesten mit «#SayTheirNames»-Aufdrucken und T-Shirts mit den Gesichtern der neun Opfer, die am 19. Februar 2020 bei dem Attentat ermordet wurden.

Bei der Sternfahrt und bei der Kundgebung habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, sagte der Sprecher der Polizei vor Ort. Alles sei «ruhig und friedlich» verlaufen. Zur Kundgebung hätten sich rund 500 Menschen versammelt. Zuvor hatten sich ungefähr 650 Personen an der Sternfahrt vor allem mit Fahrrädern beteiligt. Diese führte über fünf Routen nach Hanau: etwa aus Frankfurt oder Aschaffenburg.

Bereits an den unterschiedlichen Startpunkten der Sternfahrt hatten Angehörige der Opfer zu den Teilnehmern gesprochen, wie Hagen Kopp, Sprecher der «Initiative 19. Februar Hanau» sagte. Bei der Versammlung in Hanau forderten Familienmitglieder zudem eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse vor, während und nach der Tat sowie Antworten auf offene Fragen zum Vorgehen der Behörden und der Polizei.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) forderte nach Mitteilung vom Sonntag, die ermittelnde Bundesanwaltschaft möge «endlich» einen Abschlussbericht vorlegen: «Die Geduld neigt sich dem Ende zu.» Auch nach 16 Monaten habe es der Staat immer noch nicht geschafft, Tathergang und -ursachen abschließend zu beurteilen. Dass im demokratischen Rechtsstaat alles auf den Tisch müsse, auch staatliches Versagen, habe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bereits angemahnt. Angehörige hatten Konsequenzen aus der Tat gefordert - allen voran ein entschiedeneres Eintreten gegen Rechts. Den Behörden warfen sie vor, «Warnsignale» nicht ernst genug genommen zu haben.

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte am 19. Februar 2020 neun Menschen in Hanau aus rassistischen Motiven erschossen, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Erst am Freitag hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier einen der Getöteten, den damals 22-jährigen Vili Viorel Păun, posthum mit der hessischen Medaille für Zivilcourage geehrt. Dieser hatte den Täter verfolgt, um ihn zu stoppen - und war von dem Attentäter in seinem Auto erschossen worden.

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