Nachfrage nach Bürgertests sinkt: Was wird aus Testzentren?

23.06.2021 Negative Corona-Schnelltests waren im Frühjahr ein Schlüssel dafür, dass Menschen Restaurant-Terrassen oder Geschäfte besuchen konnten. Inzwischen gelten aber Lockerungen und die Zahl der Geimpften steigt. Veröden nun die Teststellen? Und wie reagieren Apotheken?

Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ob in leerstehenden Läden oder in Zelten: Im Frühjahr poppten an zahlreichen Ecken in Hessen Corona-Testzentren aus. Davor bildeten sich, ebenso wie vor Apotheken mit Testangebot, häufig lange Schlangen. Schließlich war der negative Test eine Art Freischein für das Abendessen auf der Restaurant-Terrasse oder eine Shopping-Tour.

Doch inzwischen sind die Infektionszahlen so niedrig, dass Lockerungen greifen und vieles auch wieder ohne Test möglich ist. Zugleich wächst die Zahl der komplett Geimpften. Werden beispielsweise die Apotheken nun ihr Angebot herunterfahren? «Viele Apotheken berichten uns, dass die Nachfrage zurückgegangen ist. Damit fragen sich sicher viele, ob sie den Aufwand weiter betreiben wollen», sagt Katja Förster vom hessischen Apothekerverband in Offenbach.

Die Apotheken gehören neben privaten Firmen und staatlichen Institutionen zu den wichtigsten Teststellen-Betreibern. Auf der Internetseite www.corona-test-hessen.de sind derzeit über 1250 Bürgerteststellen verzeichnet. Da jedoch keine Verpflichtung besteht, sich auf der Seite zu registrieren, ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl höher liegt. Dem Hessischen Sozialministerium liegen nach eigenen Angaben einzelne Meldungen über Schließungen vor. Aber auch hier gebe es keine Mitteilungspflicht an das Land, hieß es.

Auch die Apothekenkammer geht davon aus, dass das Testangebot zurückgeht. Dafür gebe es auch wirtschaftliche Gründe, sagt Präsidentin Ursula Funke in Wiesbaden. «Inzwischen gibt es weniger Geld und das ist sicher für viele nicht rentabel. Ursprünglich bekamen die Apotheken wie alle anderen Anbieter bis zu 18 Euro pro vorgenommenem Antigentest, nun zahlt der Bund nur noch bis zu 12,50 Euro.

Der Arbeiter-Samariter-Bund betreibt gleich mehrere Teststellen in und um Frankfurt. Wenn es jetzt weniger Geld gibt, dann ist das für uns ein Problem, sagt ASB-Bereichsleiter Christian Albrecht. Anders als in Apotheken seien extra Räume bezogen worden. Dazu kämen Aspekte wie Verwaltung, Hygienepläne oder eine extra eingerichtete Hotline. «Wenn der Satz runtergesetzt wird, ist es schwierig, diese Infrastruktur aufrecht zu erhalten.» Dennoch wolle der ASB seine Teststellen weiter offen halten: «Wir haben als Hilfsorganisiton auch einen sozialen Auftrag», sagt Albrecht. Laut seinen Schätzungen ist die Nachfrage für die Bürgertest etwa um zwei Drittel eingebrochen. Bei den kostenpflichtigen PCR-Test habe das Interesse dagegen zuletzt etwas zugenommen, etwa als Nachweis für Flugreisen.

Zu den privaten Anbietern gehört unter anderem CoviMedical aus dem mittelhessischen Dillenburg. Das Ende 2020 gegründete Unternehmen betreibt über 140 Testzentren in ganz Deutschland sowie mehrere Teststellen auf Mallorca. Die Firma hat nach eigenen Angaben 1500 Beschäftigte, die fast alle aus der von der Pandemie besonders hart getroffenen Veranstaltungsbranche kommen.

Auch künftig sieht das Unternehmen noch Bedarf, wie es kürzlich erklärte: «Deshalb sind wir überzeugt, dass wir trotz höherer Impfraten auch in den nächsten Monaten noch flächendeckende Tests brauchen werden, um die Sicherheit zum Beispiel bei Veranstaltungen oder Reisen zu gewährleisten.»

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