Immer mehr illegale Downhill-Strecken in Hessens Wäldern

23.06.2021 Immer häufiger legen Mountainbiker illegale Downhill-Strecken im Forst an. Legale Pfade gibt es bislang nur wenige. Einige Regionen rüsten jetzt auf.

Ein Mountainbiker fährt im Wald mit seinem Fahrrad eine Mountainbike-Strecke entlang. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Illegale Mountainbike-Strecken sind in Hessens Wäldern schon lange ein Problem. Durch den Fahrrad-Boom in der Corona-Pandemie und die steigende Zahl an E-Bikes hat sich die Situation noch verschärft. «Gerade in Hinblick auf die biologische Vielfalt, die eigentlich gefördert werden soll, sind die illegalen Trails inzwischen ein sehr großes Problem», sagt Matthias Schnücker, Bereichsleiter beim Forstamt Wolfhagen. Der gesamte Habichtswald in Nordhessen etwa sei durchzogen von nicht genehmigtem Routen abseits der festen Wege. Nicht selten führten sie quer durch Naturschutzgebiete. «Die Fahrer stören die Brut- und Nistzeiten der Wildtiere massiv.»

Weil immer mehr Menschen mit E-Bikes unterwegs sind, erreichen sie laut Schnücker inzwischen auch abgelegene und schwer zugängliche Bereiche mit geschützten Pflanzen und Tieren. «An Menschen auf den ausgewiesenen Wanderwegen haben sich die Tiere gewöhnt. Wenn die Radfahrer aber in geschützte Bereiche eindringen, können sie die Gefahr nicht einschätzen. Greifvögel etwa geben ihre Bruten dort dann auf», erklärt der Förster. Das Problem bestehe hessenweit.

Doch nicht nur für Flora und Fauna geht eine Gefahr von den Mountainbikern und Downhill-Fahrern aus. Im Kasseler Bergpark inmitten des Naturparks Habichtswald entstehen laut Lena Pralle von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) immer wieder zum Teil lebensgefährliche Situationen für andere Parkbesucher, weil die Radfahrer den Park mit hoher Geschwindigkeit durchqueren. «Uns erreichen sehr viele Beschwerden über Beinahe-Zusammenstöße. Wir wundern uns immer, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist», sagt die Pressesprecherin. Sie beklagt auch mangelnden Respekt seitens der Radsportler. «Schilder werden einfach demontiert, Absperrungen zerstört.» Nicht selten reagierten die Mountainbiker auf Ansprache aggressiv.

Das bestätigt auch Schnücker: «Waldbesucher und auch wir vom Forstamt werden teilweise übel beschimpft.» Dabei müsse das Forstamt als Waldbesitzer seiner Verkehrssicherungspflicht dieser illegalen Wege nachkommen. «Wenn wir sie dulden, sind wir im Schadensfall haftbar zu machen.» Ein Dilemma, denn eigentlich sei es ja gewünscht, dass viele Menschen den Wald besuchen. Die Lösung sieht Schnücker in der Einrichtung legaler naturverträglicher Pfade. «Ihr Anteil beläuft sich im hessischen Staatswald derzeit auf etwa 40 Kilometer», sagt Michelle Sundermannn, Sprecherin des Landesbetriebs Hessen Forst in Kassel. Das Land ist der größte Waldbesitzer in Hessen.

«Viele Regionen haben zu wenig offizielle Strecken», meint Timo Kehm, Fachwart beim Radfahrverband Hessen. Gleichzeitig machten sich die Biker oftmals wenig Gedanken um die Folgen ihres Handelns. Eine Lösung für beide Seite zu finden, sei schwierig. «Wir sind als Verband häufig außen vor, weil die Mountainbiker in der Regel keinem Verein angehören und nicht an uns herantreten.» Er wünsche sich mehr Kommunikation zwischen den Beteiligten. «Wir bieten unsere Hilfe als Vermittler gerne an.»

Erste Schritte, das Problem zu lösen, gibt es bereits. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen etwa ist ein Mountainbike-Wegenetz mit einer Gesamtlänge von 400 Kilometern in Planung. Es besteht laut Matthias Schäfer vom Fachdienst Sport im Kern aus einzelnen miteinander verbundenen Trailparks. Deren Hauptmerkmal seien 200 Kilometer lange schmale und mittelbreite Pfade, sogenannten Singletrails, die überwiegend durch Wälder verlaufen. 19,8 Millionen Euro werden Schäfer zufolge in das mit EU-Mitteln geförderte Projekt investiert.

Bereits befahrbar ist ein Netz aus über 1000 Kilometer ausgewiesener Mountainbikewege in der Rhön. In dem Mittelgebirge im Dreiländereck von Bayern, Hessen und Thüringen ist laut der Tourismus-Gesellschaft Rhön GmbH «das längste zusammenhängende Mountainbikenetz in Deutschland» entstanden.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News