«Eine Ehre»: Büchner-Preisträger Setz zur Auszeichnung

20.07.2021 Für Clemens J. Setz ist es eine «Ehre», etwas Unerwartetes. Nach zahlreichen Preisen bekommt der österreichische Autor nun auch die wichtigste Anerkennung für deutschsprachige Literatur, den Georg-Büchner-Preis.

Clemens J. Setz, Autor aus Österreich, spricht. Foto: Gert Eggenberger/APA/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Georg-Büchner-Preis geht in diesem Jahr an den österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz. «Mit Clemens J. Setz zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen Sprachkünstler aus, der mit seinen Romanen und Erzählungen immer wieder menschliche Grenzbereiche erkundet», teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt zur Entscheidung mit. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Der Preis soll am 6. November im Staatstheater in Darmstadt feierlich übergeben werden.

Setz reagierte mit Ehrfurcht auf die Auszeichnung mit dem renommierten Literaturpreis. «Der Name Georg Büchner und auch die Preisträgerinnen und Preisträger der letzten Jahre, sich in das eingereiht zu sehen, ist schon eine Ehre, die kann ich noch nicht ganz fassen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er habe es eigentlich zuerst gar nicht geglaubt. «Ich hätte nie gedacht, dass es so früh kommt im Leben». Vielleicht mit 70 oder so, das sei schon unerwartet. Einige der bisherigen Preisträger seien seine Vorbilder. Ohne sie hätte er nie angefangen zu schreiben.

«Seine bisweilen verstörende Drastik sticht ins Herz unserer Gegenwart, weil sie einem zutiefst humanistischen Impuls folgt», heißt es von der Jury. Der in Graz geborene und in Wien lebende 38 Jahre alte Künstler demonstriere eine «radikale Zeitgenossenschaft», welche Buch um Buch die Schönheit und den Eigensinn großer Literatur beglaubige.

Neben seinem Debütroman «Söhne und Planeten», dem Erzählband «Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes» oder dem Roman «Die Stunde zwischen Frau und Gitarre» veröffentlichte Setz Prosa und Gedichte. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie den Preis der Leipziger Buchmesse, den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und im vergangenen Jahr den Kleist-Preis.

Als Preisträger ist er Nachfolger der Lyrikerin Elke Erb. Sie hatte im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie weitestgehend unter Ausschluss von Publikum im Staatstheater Darmstadt die Auszeichnung für ihr literarisches Lebenswerk entgegengenommen. In diesem Jahr hofft die Akademie bei ihrem Festakt wieder auf mehr Gäste im Theater.

«An wen der Georg-Büchner-Preis geht, ist Jahr für Jahr nicht minder nachhaltig wie die Ernüchterung, an wen er alles nicht geht», teilte Hauke Hückstädt vom Literaturhaus Frankfurt auf Anfrage mit. Mit Clemens Setz sei aber ein Autor gewählt worden, dem alle von Herzen und seit Jahren zurecht applaudieren. «Eine ästhetische Entscheidung.»

Die Akademie für Sprache und Dichtung vergibt die Auszeichnung seit 1951 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen «durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten» und «an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben».

Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt seit 2015 Rainald Goetz, Marcel Beyer, Jan Wagner, Terézia Mora, Lukas Bärfuss und im vergangenen Jahr Elke Erb.

Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner («Woyzeck»). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

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