Kleinere Werften in MV kommen meist gut durch die Pandemie

07.02.2021 Klein, aber fein: Das scheint ein Motto zu sein, mit dem Werften in Mecklenburg-Vorpommern es schaffen, eine stabile Geschäftslage zu entwickeln.

Nils Rammin blickt in die Kamera. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Viele der kleineren Werften in Mecklenburg-Vorpommern habe gute Wege durch die Corona-Pandemie gefunden. «Die Menschen können nicht verreisen und wollen wieder bootfahren», sagte Nils Rammin, Chef der Bootswerft Rammin in Barth. Er ist mit seinen 17 Mitarbeitern im Reparaturbereich unterwegs. Problematisch sei jedoch der erste Lockdown im letzten Frühjahr gewesen, als mehrere Mitarbeiter zu ihrem Schutz zu Hause bleiben mussten. «Aber am Ende haben die Zahlen gestimmt.»

Bei Rammin am Barther Bodden werden Sport- und Fischereiboote sowie Behördenboote fit gemacht. Problematisch sei es manchmal, Ersatzteile zu bekommen. Lieferzeiten von mehreren Monaten führten zu nachfolgenden Terminverzögerungen. Die Pandemie habe auch Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe etwa beim Winterlager für die rund 350 Boote. «Die Kunden dürfen nur kommen, wenn keine Mitarbeiter da sind.» Dies soll verhindern, dass das Virus doch den Weg in die Belegschaft findet. «Dann könnte ich den Laden zu machen.»

Die Werfthalle beim Bootsverleiher Kuhnle-Tours in Rechlin in der Seenplatte ist rappelvoll mit Schiffen, darunter zwei Neubauten, wie Dagmar Kuhnle berichtete. «Wir haben keinen Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.» Im Lockdown im Frühjahr 2020 seien alle verunsichert gewesen, keiner wusste, ob der Betrieb überlebt. Viele Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. «Das hat sich nicht bewährt», sagte Kuhnle. Als die Saison losging, seien die Teams nicht eingespielt und die Boote nicht fertig gewesen. «Es war ein Rieentheater - das soll diese Saison nicht passieren», sagte Kuhnle. Die Firma beschäftigt mehr als 70 Mitarbeiter, 35 davon direkt im Bootsbau.

«Wir sind sehr breit aufgestellt», berichtete Matthias Lenz, Geschäftsführer von Bootsbau Rügen in Lauterbach. Das Portfolio reiche vom Einzelhandel, Pension, Gastronomie bis hin zum Bootsbau und Verkauf gebrauchter Boote. «Jetzt ist die Pension und die Gastronomie weggebrochen.» Aber der Verkauf und die Betreuung der Kunden liefen gut. Wegen der geringen Größe und des breiten Angebots sei der Betrieb mit seinen 25 Mitarbeitern gut durch die Pandemie gekommen. «Wir haben niemanden entlassen. Ich schaue recht optimistisch in die Zukunft», sagte Lenz.

Wie Christian Schmoll von der Tamsen Werft in Rostock mit gut 100 Mitarbeitern berichtete, seien 2020 rund zehn Prozent weniger Aufträge eingegangen. Es gebe eine gute Basisauslastung, aber es fehlten die Spitzen. Belastend sei die zögerliche Haltung der Deutschen Marine, Schiffe in die Reparatur zu geben, die eigentlich überholt werden müssten. Grund dafür seien bürokratische Hürden. Dies führe dazu, dass er in geringem Umfang Kurzarbeit anmelden werde, sagte Schmoll. Er hoffe, dass sich die Situation in wenigen Wochen ändere, wenn das Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr die Aufträge erteile. «Die Welt bleibt nicht wegen eines Virus stehen.»

Der wirtschaftliche Druck durch die Corona-Pandemie ist nach Angaben des Schiffbauers Fassmer GmbH & Co. KG mitverantwortlich für die Schließung des Standorts Rechlin im März. Der Geschäftsführer der Fassmer-Gruppe, Holger Fassmer, sagte, dass mangelnde Auslastung, die Neuordnung bei der Mutterfirma und generelle Probleme der Werftindustrie in Deutschland mit Schuld seien. Es sei nicht möglich gewesen, entsprechende Ersatzfertigung nach Rechlin zu verlagern.

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