Mordfall Leonie: Mutter ohne Öffentlichkeit gehört

08.02.2021 Der Revisionsprozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) ist hinter verschlossenen Türen fortgesetzt worden. Das Landgericht Neubrandenburg schloss die Öffentlichkeit bei der Zeugenvernehmung der Mutter am Montag aus. Es würden «Umstände aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich» erörtert, sagte Richter Henning Kolf. Den Antrag hatte der Anwalt der 26-Jährigen gestellt, auch weil die Mutter weiterhin psychisch labil und in Behandlung sei. Zudem laufe noch ein Verfahren gegen die Frau.

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Kammer erhofft sich von der Aussage der Mutter «weitere Aufklärung zur Motivation des Angeklagten», wie Kolf sagte. Geklärt werden soll, ob der angeklagte Stiefvater die Tötung des Mädchens am 12. Januar 2019 schon während der schweren Misshandlungen tagsüber geplant hatte, als die Mutter abwesend war, oder erst dadurch, dass er verhinderte, dass rechtzeitig medizinische Hilfe geholt wurde. Das Kind war erst abends tot gefunden worden.

Der 29-Jährige war vor einem Jahr wegen «Mordes durch Unterlassen» zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. Sein Anwalt hatte Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das «äußere Tatgeschehen» bestätigt, das Urteil aber in Teilen aufgehoben. Eine andere Kammer soll nun klären, wann der Stiefvater welches Motiv hatte. Von dieser Einschätzung hängt ab, ob das Urteil bestehen bleibt oder gemildert wird, was die Verteidigung hofft. Der Angeklagte hat in der Revisionsverhandlung noch keine Angaben gemacht. Der Prozess wird am 15. Februar fortgesetzt.

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