Awo-Untreue-Prozess: Angeklagte bestreiten Vorwürfe

11.02.2021 Nach dem Skandal um überhöhte Chef-Gehälter bei Arbeiterwohlfahrt Waren stehen seit Donnerstag zwei Ex-Führungskräfte in Schwerin vor Gericht. Sie fühlen sich zu Unrecht angeklagt.

Das Schild der Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) des Kreisverband Müritz e.V. Müritz gGmbH. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zum Auftakt des Untreue-Prozesses gegen zwei ehemalige Führungskräfte des Awo-Kreisverbandes Müritz haben die Männer die Vorwürfe am Donnerstag zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem langjährigen Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Waren, Peter Olijnyk, und dem ehemaligen Kreisverbandsvorsitzenden Götz-Peter Lohmann besonders schwere Untreue beziehungsweise Beihilfe zur Untreue vor. Der Vorwurf verletze ihn zutiefst, sagte Olijnyk. Lohmann betonte, er habe für sein Gehalt von 5100 Euro brutto monatlich in der Beratungsstelle redlich gearbeitet und sich nicht bereichert.

Der heute 72-jährige Olijnyk und der 78-jährige ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lohmann sollen sich laut Anklage zwischen 2005 und 2016 gegenseitig überhöhte Einkommen zulasten der Awo verschafft haben. Die zwischen den beiden geschlossenen Verträge seien sittenwidrig und unter bewusster Umgehung der zuständigen Awo-Gremien geschlossen worden, so die Staatsanwaltschaft. Laut Anklage unterschrieb Lohmann Änderungen an Olijnyks Arbeitsvertrag, durch die Olijnyks Jahres-Grundgehalt als Geschäftsführer von 84 000 auf 150 000 Euro brutto stieg.

Zusätzlich soll er vom wirtschaftlichen Erfolg der Awo-Tochterfirmen abhängige Tantiemen erhalten haben. Außerdem zahlte die Awo Versicherungsbeiträge, um Olijnyk später eine Betriebsrente von monatlich 2000 Euro zahlen zu können. Durch die Verträge sei die Awo insgesamt um 1,23 Millionen Euro geschädigt worden.

Weiterhin soll Olijnyk für Lohmann einen Arbeitsvertrag bei einer Awo-Beratungsstelle unterzeichnet haben, ohne dass Lohmann für die gezahlten 675 000 Euro als Diplompsychologe auch Leistungen erbracht habe. Alle diese Verträge hätten der Anklage zufolge von mindestens einem weiteren Awo-Vorstandsmitglied gegengezeichnet werden müssen.

Die beiden Männer widersprachen zum Prozessauftakt den Vorwürfen. Olijnyk sagte, sein Gehalt sei angemessen gewesen, schließlich habe er ein Unternehmen mit über 600 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro geleitet. Außerdem sei es üblich gewesen, dass Arbeitsverträge nur vom Vorsitzenden unterschrieben wurden. Lohmann betonte, sein Gehalt habe seinem «Marktwert» entsprochen. Beide Angeklagte betonten, sie hätten dem jeweils anderen vertraut. Lohmann räumte allerdings ein, dass er die Verträge genauer hätte prüfen müssen. Für diese mangelnde Sorgfalt stehe er ein. Der Prozess soll am 4. März fortgesetzt werden.

Nachdem die Höhe des Gehalts bekannt wurde, war Olijnyk 2016 fristlos entlassen worden. Dagegen wehrte er sich erfolglos vor Gericht. Das Oberlandesgericht (OLG) Rostock entschied 2019, dass er rund 390 000 Euro an überhöhtem Gehalt, Tantiemen und Betriebsrentenanteilen an die Awo zurückzahlen muss (Az 1U 36/16).

Vor allem aufgrund des Falls «Awo Müritz» beantragte die AfD 2017 im Landtag die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA), der die Förderung und die Kontrolle der Wohlfahrtsverbände durchleuchten sollte. Er hat seine Arbeit inzwischen beendet.

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