Neuerungen für Schulen: Kritik an Bildungsministerium

04.03.2021 Das Schweriner Bildungsministerium erntet von verschiedenen Seiten Kritik für seine aktuelle Schulpolitik in der Corona-Krise. Derweil ist es nicht untätig.

Simone Oldenburg spricht. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Schweriner Bildungsministerium arbeitet an weiteren Öffnungsschritten für die Schulen, während die Kritik an seinem bisherigen Vorgehen wächst. «Die Ministerpräsidentin hat die Bildungsministerin gebeten, den Stufenplan zu überarbeiten und zu prüfen, welche weiteren Öffnungsschritte vor allem unter Einsatz einer weiteren Teststrategie möglich sind», teilte Ministeriumssprecher Henning Lipski am Donnerstag mit.

Bis zum MV-Gipfel an diesem Freitag werde der Stufenplan weiterentwickelt. «Details sind gerade in Arbeit.» Informationen des NDR, wonach die Klassen sieben bis elf in gut einer Woche zunächst im Wechselunterricht wieder zurück in die Schulen kommen, wollte Lipski nicht bestätigen.

Die Kritik an der bisherigen Schulöffnungspolitik des Bildungsministeriums in Mecklenburg-Vorpommern wird unterdessen immer lauter. Die Lehrergewerkschaft GEW forderte am Donnerstag bei einer Corona-Inzidenz von 35 und mehr Wechselunterricht an den Schulen für alle Klassenstufen, um mit kleinen Gruppen die Infektionsgefahr zu verringern und zugleich allen Schülern wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Auch Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) verlangte Wechselunterricht statt des derzeit praktizierten freiwilligen Präsenzunterrichts von Klasse eins bis sechs, der mancherorts zu randvollen Klassen führt. «Wir dürfen das Erreichte nicht gefährden», warnte Badenschier. Am Vortag hatte es einen Infektionsfall in einer fünften Klasse in Schwerin gegeben. Bei Inzidenzen über 50 sei Vorsicht geboten. Gleichzeitig müsse eine Perspektive angesichts nur langsam sinkender Zahlen her. Die bisherige Linie des Bildungsministeriums bringe die Eltern in Entscheidungsnot, zwischen Schule und Gesundheit zu wählen, sagte das Stadtoberhaupt.

Der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm forderte, endlich auch die Mädchen und Jungen ab Jahrgangsstufe sieben wieder zur Schule gehen zu lassen. Sie waren zuletzt vor Weihnachten dort.

Bisher wird in Mecklenburg-Vorpommern ab einer regionalen Inzidenz von 50 ein freiwilliger Präsenzunterricht für die Klassen eins bis sechs und für die Abschlussklassen angeboten. Ist die Infektionslage besser, gilt Präsenzpflicht. Eine dauerhafte Inzidenz unter 50 haben bislang nur die Stadt Rostock und der Landkreis Vorpommern-Rügen. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage an.

Die oppositionelle Linke im Schweriner Landtag forderte verpflichtenden Präsenzunterricht für die Grundschüler und die Abschlussklassen bis zu einer Inzidenz von 100. Die Klassen fünf bis neun beziehungsweise sieben bis elf sollten nach dem Vorschlag der Fraktionsvorsitzenden Simone Oldenburg vom 15. März an in den wöchentlichen Wechselunterricht gehen.

Um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten, müssten alle Schüler und Lehrer laut Oldenburg wöchentlich getestet werden. Laut aktuellem Plan des Bildungsministeriums sollen die Siebt- bis Elftklässler ab dem kommenden Montag Wechselunterricht in der Schule bekommen - aber nur, wenn die Inzidenz unter 50 liegt.

Der Landeselternrat hatte zu Wochenbeginn eine Ungleichbehandlung der Kinder in Klasse eins bis sechs in Regionen mit einer Inzidenz von über 50 beklagt. Wer nicht zum freiwilligen Präsenzunterricht gehe, habe nicht mehr wie vor den Winterferien Anspruch auf Distanzunterricht, sondern bekomme nur noch Aufgaben zum Bearbeiten zugeschickt. Als Hintergrund gilt, dass die Lehrer nicht beides - Präsenz- und Distanzunterricht - gleichzeitig schaffen. Der Landeselternrat schlug stattdessen verpflichtenden Wechselunterricht vor. Das sei gerechter für alle und diene auch dem Infektionsschutz, denn die Gruppen könnten klein gehalten werden.

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