Gastgewerbe, Handel und Schausteller protestieren in Rostock

19.03.2021 Es ist eiskalt am Freitagmorgen auf dem Rostocker Neuen Markt. Und auch die Stimmung der Demonstranten ist auf dem Nullpunkt.

Im Einkaufszentrum Rostocker Hof in der Innenstadt geht eine Frau an einem geschlossenen Eiscafe vorbei. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Voller Verzweiflung haben am Freitag in Rostock rund 300 Gastwirte, Einzelhändler, Veranstalter oder auch Schausteller auf ihre Situation in der Corona-Pandemie aufmerksam gemacht. «Das Signal aus Schwerin, dass nicht einmal die Außengastronomie öffnen darf, ist an Nichtachtung einer ganzen Branche gegenüber nicht zu übertreffen», sagte der Präsident des Dehoga MV, Lars Schwarz, der Deutschen Presse-Agentur. Die Außengastronomie sei der kleine Hoffnungsschimmer gewesen. Das Gastgewerbe liege am Boden und habe noch immer keine Perspektive. Viele der rund 5500 Betriebe im Gastgewerbe stünden vor dem Aus.

Schwarz betonte, aus seiner Sicht wäre die stufenweise Öffnung mit detailliertem Testkonzept möglich. Dies sollte zumindest in Mecklenburg-Vorpommern für Einheimische umgesetzt werden. «Wir sind keine Infektionstreiber, wir haben die besten Hygienekonzepte.»

Bei den meisten Demonstranten war die Möglichkeit des FC Hansa Rostock zur Stadionöffnung am Samstag auf Unverständnis gestoßen. «Ich freue mich wirklich für Hansa, dass sie das machen können. Ich frage mich aber, warum ich dann als Familie oder zu zweit oder dritt nicht in die Gastronomie gehen kann», sagte Schwarz.

Auch der Geschäftsführer der Moya-Kulturbühne in Rostock, Niels Burmeister, stellte die Frage, ob die Öffnung des Profisports noch vor dem Kinder- und Jugendsport das richtige Zeichen der Landesregierung sei. «Diese Zeichen, Mallorca oder das Ostseestadion zu öffnen, sind die falschen Zeichen.» Dabei sei der Kulturbereich besonders von der Krise betroffen. «Selbst wenn die Gastronomie wieder aufmacht. Die Kultur steht ganz hinten. Die hat keiner mehr auf dem Schirm.»

Von einem seit Monaten anhaltenden Totalausfall für die Schausteller sprach MV-Verbandschef Lothar Welte. «Es ist so, als wenn ein Riesenloch aufgeht und Du wirst reingezogen.» Es zeichne sich derzeit auch keine Perspektive ab. Die Situation könne sich verschärfen, wenn das meist aus dem Ausland stammende Personal wegen der Perspektivlosigkeit abwandere.

Diane Nikolaus vom Rostocker Modehaus Nikolaus sagte, dass die meisten Einzelhändler in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen hätten. Auch in Rostock, wo die Geschäfte mit strengen Hygienebestimmungen offen sind, drohe jederzeit die Schließung. Es gebe keine Planbarkeit. Zudem sicherten die staatlichen Zuschüsse nicht das Überleben der Händler. Dieses Geld werde an die Vermieter weitergereicht.

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