Long-Covid-Erkrankung: Auch Kinder und Jugendliche betroffen

17.04.2021 Zu Beginn der Corona-Krise ging man davon aus, dass Kinder und Jugendliche weitgehend unbeschadet eine Infektion mit Sars-CoV-2 überstehen. Mit der Corona-Variante B.1.1.7 stimmt das nicht mehr.

Chefärztin Jördis Frommhold steht vor der Median-Klinik in Heiligendamm. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In der auf die Behandlung von sogenannten Long-Covid-Erkrankungen spezialisierten Median-Klinik in Heiligendamm werden die Patienten immer jünger. Wie Chefärztin Jördis Frommhold der Deutschen Presse-Agentur berichtete, werden zunehmend 20- bis 30-Jährige stationär aufgenommen und im letzten Monat auch zwei 18-Jährige. Die Anfragen nach Reha-Angeboten für pädiatrische Patienten häuften sich. Die Klinik stünde auch bereit, Jugendliche ab 14 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten aufzunehmen.

Kinder und Jugendliche haben in der Regel nicht so schwere Krankheitssymptome nach einer Corona-Infektion wie Erwachsene, sie können aber an unterschiedlichen Folgeerkrankungen leiden. Dazu gehören beispielsweise Leistungsminderungen, Atembeschwerden und kognitive Einschränkungen, sagte Frommhold. Die Expertin berichtete von einer zunehmenden Zahl von Hilferufen besorgter Eltern.

Man müsse insgesamt von der Vorstellung Abschied nehmen, dass junge Menschen nicht erkranken können, sagte Frommhold. Dies habe sich mit der Virusvariante B.1.1.7 geändert. Aber auch schwache Symptome könnten höchst problematisch werden. So könnten beispielsweise auf Konzentrationsprobleme bei Schülern schlechte Schulleistungen folgen, die wiederum die Wahl des Studiums oder des Berufs beeinflussen.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor dem Glauben, dass Kinder und Jugendliche bei einer Corona-Infektion nur mit grippeähnlichen Symptomen zu kämpfen haben. «Auch bei ihnen kann es eine Multi-Organ-Erkrankung werden.» Die gefürchtete Entzündung der kleinen Gefäße könnte auftreten. Lauterbach kritisiert schon seit längerem, dass die Bedeutung von Long-Covid auch bei Erwachsenen dramatisch unterschätzt wird.

Er berichtete von einer britischen Studie, nach der 7 Prozent der Jugendlichen Long-Covid entwickeln, bei Erwachsenen liege das Risiko bei 14 Prozent. Dies sei insbesondere unter dem Gesichtspunkt gefährlich, dass versucht werde, die Schulen weitestmöglich zu öffnen. Er forderte Wechselunterricht für die Schüler und deren Testung zwei Mal die Woche. «Wenn Eltern das nicht erlauben, dürfen die Schüler nicht in die Schule.» Gleichzeitig appellierte er an Jugendliche, vor allem sich selbst zu schützen. Die Folgen könnten fatal sein.

Für die Gesellschaft sei es problematisch, dass es bisher keinen Impfstoff für Kinder und Jugendliche gebe, sagte Frommhold. Denn selbst wenn alle Erwachsenen durchgeimpft seien, könnten sich die jungen Menschen immer noch anstecken, erkranken und dann möglicherweise auch an Long-Covid leiden. «Wir können deshalb nicht zur Alltagsordnung übergehen.»

Die Firmen Biontech und Pfizer hatten Ende März berichtet, dass sie mit Studien zu Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern bis einschließlich elf Jahren begonnen haben. Das aktuelle Vakzin der beiden Firmen ist für Jugendliche ab 16 Jahren bedingt zugelassen. Studien für die Altersgruppe 12 bis 16 laufen bereits. Nun werden auch Kinder ab sechs Monaten in die Studien einbezogen.

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