Leichte Frühjahrsbelebung: Erwerbslosenzahl um 2000 gesunken

29.04.2021 Die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt kann die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht ausgleichen. Der Tourismus fehlt.

Ein Bauarbeiter steht bei Sonnenaufgang auf einer Baustelle. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Frühjahrsbelebung stabilisiert den Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern, kann die Auswirkungen der Corona-Pandemie aber nicht ausgleichen. Die Zahl der registrierten Erwerbslosen sank in Mecklenburg-Vorpommern im April im Vergleich zum März um rund 2000 auf 67 800, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 8,2 Prozent nach 8,5 Prozent im März. Vor einem Jahr hatte sie 7,9 Prozent betragen. Heute sind der Agentur zufolge 2800 Menschen mehr in MV erwerbslos als vor einem Jahr.

«Der für den Monat April saisonal typische Rückgang der Arbeitslosenzahlen, die sogenannte Frühjahrsbelebung, ist coronabedingt in diesem Jahr deutlich geringer ausgefallen als üblich», sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann. Vor allem der Tourismus als Arbeitgeber fällt bisher zum großen Teil aus, weil Ferienreisen in den Nordosten aktuell nicht möglich sind. Die höchste Arbeitslosenquote wies im April der touristisch geprägte Landkreis Vorpommern-Rügen mit 10,3 Prozent aus, am niedrigsten war der Wert im Landkreis Rostock mit 6,1 Prozent.

Mit Kurzarbeit wird weiterhin Erwerbslosigkeit verhindert. Allein im April zeigten 300 Betriebe für 2300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Land Kurzarbeit an, wie Haupt-Koopmann informierte. «Damit bewegen wir uns unter dem Niveau des Vormonats März mit 400 Anzeigen für 3500 Beschäftigte.» Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 seien insgesamt 28 000 Anzeigen auf Kurzarbeit für 269 100 Beschäftigte in den Arbeitsagenturen eingegangen. Die Schwerpunkte lägen im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Gesundheitswesen und im Baugewerbe. Dabei handelt es sich um vorsorgliche Anzeigen, die nicht unbedingt alle verwirklicht werden müssen. Im Januar befanden sich der Regionaldirektion zufolge in MV 61 300 Beschäftigte in 9000 Betrieben in Kurzarbeit.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) verwies auf die erwartete wirtschaftliche Erholung noch in diesem Jahr. Dabei werde es auch Nachholeffekte beim Konsum geben, erklärte er. Trotz der Lichtblicke am Horizont stehe aber fest, dass die Unternehmen im Land weitere Unterstützung benötigten. «Hierfür haben wir neue Programme aufgelegt beziehungsweise auch verlängert», so Glawe. So würden Investitionen im verarbeitenden Gewerbe jetzt mit höheren Fördersätzen unterstützt.

Die oppositionelle Linke forderte angesichts der gestiegenen Zahl an Langzeitarbeitslosen besondere Maßnahmen für diese Gruppe. Ihre Zahl sei den zwölften Monat in Folge auf nunmehr 27 000 gestiegen und stelle für die Zeit nach der Corona-Krise die größte Herausforderung für den Arbeitsmarkt dar, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linken im Landtag, Henning Foerster. Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes und der erleichterte Zugang zur Grundsicherung müssten um mindestens sechs Monate verlängert und sofort ein Mindestkurzarbeitergeld in Höhe von 1200 Euro eingeführt werden, forderte er.

Auch die Arbeitgeber blicken mit Sorge auf die Langzeitarbeitslosigkeit. Der Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg-Vorpommern, Jens Matschenz, sagte, es sei zu befürchten, dass die arbeitsmarktlichen Erfolge der letzten zehn Jahre in kürzester Zeit dahinschmelzen. Noch trage das Instrument Kurzarbeit zu einem relativ stabilen Arbeitsmarkt in der Corona-Krise bei.

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