Tourismusbranche: Verständnis geht Stück für Stück verloren

06.05.2021 Seit Monaten sind die Hotels und Gaststätten zu. Die Verzweiflung von zigtausend Menschen in der Urlaubsbranche Mecklenburg-Vorpommern wird immer größer. Der Blick zu den Nachbarn sorgt für zusätzliche Unruhe.

Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Enttäuscht und verzweifelt»: Der Vorsitzende der Tourismusverbands Rügen, Knut Schäfer, macht aus seinen Gefühlen kein Geheimnis. Während in Schleswig-Holstein am Mittwoch und Donnerstag die touristischen Zeichen auf grün gestellt wurden, gab es in Mecklenburg-Vorpommern nichts davon. Dabei bräuchten die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie im ganzen Land endliche eine Perspektive. «Die Sonne steigt. Der Winterschlaf, den wir machen mussten, hat lange genug gedauert», betonte Schäfer.

Er forderte eine länderübergreifende Strategie. Einzellösungen führten nicht weiter. «Dabei wäre gerade jetzt gemeinschaftliches Handeln Grundvoraussetzung, damit das Verständnis für die Schutz- und Abstandsregeln vorhanden ist.» Nach den Erfahrungen der vergangenen Monate aber gehe das Verständnis für die Schutzmaßnahmen und die politischen Entscheidungen Stück für Stück verloren.

Mit der Ankündigung der Öffnung für Tourismus und Gastronomie hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) das Interesse an Ferien in seinem Land kräftig angekurbelt. «Die Telefone laufen heiß», sagte eine Sprecherin der Tourismus-Agentur. Geimpfte, Genesene und Getestete aus ganz Deutschland dürfen vom 17. Mai an im Norden Urlaub machen.

Mit Blick auf die Nachbarn schlug der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, einen «norddeutschen Weg» vor. Es sei wichtig für die Gäste und den Wettbewerb, im Sommer gleiche und nachvollziehbare Bedingungen zu schaffen. Viele Anbieter in der MV-Tourismusbranche befürchteten nun, gegenüber Schleswig-Holstein Boden zu verlieren. Die aktuelle MV-Verordnung gilt derzeit noch bis 22. Mai, bislang gebe es nur Gedankenspiele, die in Richtung Modellregionen nach Pfingsten laufen, sagte Woitendorf. Darin sehe er aber keinen Sinn, für Modellregionen gebe es genügend Erfahrungen aus anderen Regionen.

Das sieht Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) anders. Er kündigte am Donnerstag an, bei weiter fallenden Corona-Inzidenzen touristische Modellregionen entwickeln zu wollen. «Wir werden vor dem 22. Mai eine Antwort geben.» Beim Vergleich mit Schleswig-Holstein verwies Glawe darauf, dass dort die Inzidenz deutlich niedriger als in Mecklenburg-Vorpommern ist. Am Donnerstag sank die Inzidenz im Nordosten unter 100.

Zuvor hatte Staatskanzleichef Heiko Geue angekündigt, schon zu Pfingsten regionalen Tourismus zulassen zu wollen. Grund seien die sinkenden Fallzahlen. «Das ermöglicht uns, den Tourismus in Modellregionen mit stabil niedriger Inzidenz bereits ab Pfingsten zuzulassen», sagte Geue der «Schweriner Volkszeitung».

Wenn die Menschen nicht nach Mecklenburg-Vorpommern kommen dürften, würden sie sich andere Ziele suchen, sagte der Präsident des Dehoga-Landesverbands, Lars Schwarz. Nach Ende des Lockdowns müssten die ersten flächendeckenden Öffnungen kommen. Die Gastronomie könne Vorreiter sein, sehr zeitnah dann die Beherbergung folgen. Von Modellregionen innerhalb Mecklenburg-Vorpommern halte auch er nichts: Für ihn gebe es nur eine «Modellregion Mecklenburg-Vorpommern».

Nach dem Willen der Linksfraktion sollte zu Pfingsten kontaktarmer Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern ermöglicht werden. «Es macht einen Unterschied, ob man in eine Ferienwohnung fährt, auf dem Zeltplatz seinen Urlaub verbringt, im Caravan mit seiner Familie das Land erkundet oder in einem vollen Hotel Urlaub macht», sagte der tourismuspolitische Fraktionssprecher, Henning Foerster. Unter freiem Himmel sei das Ansteckungsrisiko deutlich geringer.

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