Tourismusvertreter fordern konkrete Öffnungsperspektive

10.05.2021 Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Mecklenburg-Vorpommerns. Ein Datum für einen Start in die Saison gibt es noch nicht. Das soll sich nach Ansicht von Verbänden möglichst am Dienstag ändern.

Touristen nutzen das hochsommerliche Wetter am Strand auf der Insel Rügen zum Sonnen und Baden. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Branchenvertreter fordern von der Landesregierung eine konkrete Öffnungsperspektive für den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. «Mecklenburg-Vorpommern hat in den vergangenen Tagen Boden verloren», sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf, der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Der Verband hat ein Stufenmodell erarbeitet und schlägt die Wiederaufnahme des Tourismus in zwei Schritten vor.

Zunächst sollen demnach Menschen nach MV reisen dürfen, die aus einem Landkreis mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 kommen und einen negativen Corona-Test vorweisen können. Geimpfte und Genesene sollen laut dem Modell ebenfalls mit einem entsprechenden Nachweis im Nordosten Urlaub machen können.

Als möglichen Startzeitpunkt nannte Woitendorf den 23. Mai - die gültige Corona-Landesverordnung ist noch bis zum 22. Mai datiert. In einem zweiten Schritt sollen dann - spätestens zu Beginn der Schulsommerferien - auch Menschen aus Gebieten in Deutschland in den Nordosten kommen dürfen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche liegt. Zudem soll der Tourismus für internationale Gäste ermöglicht werden.

Das Modell sieht zudem die Öffnung von Gastronomie und Handel vor. Shoppen und die Nutzung von Außengastronomie soll nach Vorstellungen des Verbandes auch ohne negativen Corona-Test für die Kunden möglich sein, bei der Innengastronomie soll dieser hingegen notwendig sein.

Ähnlich äußerte sich der Landespräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Lars Schwarz. Öffnungen müssten spätestens zum 23. Mai erfolgen, zunächst in der Gastronomie und im Handel. Eine Woche später sollten dann Beherbergungsbetriebe folgen. Schwarz sagte, dass die Branche «von der Verzweiflung geprägt ist.» Er rechne mit klaren Ergebnissen am Dienstag.

Am Dienstag berät die Landesregierung über mögliche Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie. Lockerungen in Schulen und Kitas gelten als wahrscheinlich, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte stets betonte, dass diese Bereiche oberste Priorität hätten.

Insbesondere der Tourismus drängt auf Wirtschaftsseite auf einen klaren Fahrplan, wann wieder Gäste in dem Urlaubsbundesland aufgenommen werden können. Im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein wurden wegen der niedrigeren Sieben-Tage-Inzidenz bereits Lockerungen für den Tourismus angekündigt, die inzwischen teilweise greifen. Branchenvertreter befürchten nun, dass die Urlauber vermehrt nach Schleswig-Holstein fahren und nicht nach MV.

Laut Bundesinfektionsschutzgesetz dürfen in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner keine Touristen empfangen werden. Dort heißt es: «Die Zurverfügungstellung von Übernachtungsangeboten zu touristischen Zwecken ist untersagt». Diesen Wert haben nach jüngsten Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) drei der sechs Landkreise in MV noch nicht unterschritten.

Die Handwerkskammer Schwerin forderte indes Öffnungen bei den körpernahen Dienstleistungen. «Während die Friseure wieder öffnen durften, sind die Kosmetikbetriebe immer noch geschlossen und ohne eine Öffnungsperspektive», sagte der Präsident der Kammer, Uwe Lange.

Regierungschefin Schwesig dämpfte die Hoffnungen auf gelockerte Corona-Regelungen im Nordosten. Bei den Beratungen am Dienstag solle wichtigen Wirtschaftsbereichen mehr Planungssicherheit gegeben werden, sagte sie in einer am Montag in Schwerin veröffentlichten Mitteilung. «Das heißt nicht, dass wir alles sofort öffnen können. Wir alle wissen, dass wir bei den Lockerungen nur Schritt für Schritt vorgehen können. Wenn wir zu schnell öffnen, geht das Ganze nach hinten los. Dann wären alle Anstrengungen umsonst gewesen. Das darf uns nicht passieren. Wir müssen jetzt konsequent bleiben», betonte sie.

Bei Schulen und Kitas zeichnen sich hingegen Lockerungen ab. «Schule und Kita hat für uns oberste Priorität. Wir haben beim MV-Gipfel vor drei Wochen beschlossen, dass wir Schulen und Kitas als erstes wieder öffnen, wenn wir stabil unter 100 sind», sagte Schwesig. «Der harte Lockdown war nötig und wirkt. Der Inzidenzwert ist in Mecklenburg-Vorpommern von 150 auf unter 100 gesunken», erläuterte die Ministerpräsidentin.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News