Einzelhandel in Vorpommern-Rügen offen

14.05.2021 Das große Shoppen ist zunächst im äußersten Nordosten des Landes wieder möglich. Andere Regionen wollen bald nachziehen. Aber es fehlen die Touristen. Das sorgt auf Rügen für wachsenden Frust.

Auf der Einkaufsstraße und Fußgängerzone Ossenreyer Straße sind zahlreiche Passanten unterwegs. Foto: Stefan Sauer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Stralsunder Altstadt füllt sich wieder mit Einkaufslustigen, in den Ferienorten auf Rügen müssen Händler hingegen vorerst kleine Brötchen backen: Als erster Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern hat Vorpommern-Rügen am Freitag die Öffnung des kompletten Einzelhandels erlaubt. Eine Testpflicht besteht nicht, wie Landrat Stefan Kerth (SPD) betonte. Hintergrund ist eine Sieben-Tage-Inzidenz in dem Kreis von stabil unter 50. Am Freitag lag sie bei 26,7.

Der Geschäftsleiter des Modehauses Jesske in Stralsund, Robert Jesske, zeigte sich am Mittag erleichtert. «Wir sind sehr zufrieden, es sind viele Kunden da und sie freuen sich, dass es wieder losgeht», berichtete er. Allerdings sei schon zu merken, dass keine Touristen da seien. Für den Einzelhändler mit 2000 Quadratmeter Fläche war es demnach kein Problem, die Mitarbeiter kurzfristig aus der Kurzarbeit zu holen.

Landesweit darf der Einzelhandel erst vom 25. Mai an wieder nach dem Corona-Shutdown öffnen. Regionen mit einer stabilen Inzidenz unter 50 können das Shopping auch schon vor diesem Datum erlauben. Stabil unter 50 bedeute sieben Tage in Folge, sagte Rostocks Stadtsprecher Ulrich Kunze. In der Hansestadt lag die Inzidenz am Donnerstag erstmals unter diesem Wert. Anfang kommender Woche werde eine Entscheidung zum Einkaufen getroffen, kündigte Kunze an.

Die Stadt Schwerin (Inzidenz am Freitag 30,3) will am Dienstag entscheiden, ob der Einzelhandel in der Landeshauptstadt ebenfalls am Donnerstag und damit vorzeitig wieder öffnen kann. Im Landkreis Nordwestmecklenburg liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bereits seit letztem Mittwoch unter 50. Über Öffnungspläne dort ist bisher nichts bekannt geworden.

Im Urlaubsort Binz auf Rügen betreiben Mathias und Doris Rohloff fünf Modeboutiquen, die vor allem von den Touristen leben. Sie haben am Freitag trotzdem geöffnet, wie Mathias Rohloff berichtete. Auch Einheimische kauften in den Geschäften ein, aber die Touristen fehlten natürlich sehr, sagte er. Die Rohloffs wollen sich nun zunächst den Geschäftsverlauf am Freitag und Samstag anschauen und dann entscheiden, wie sie weiter vorgehen werden. «Große Erwartungen haben wir erst einmal nicht», sagte Mathias Rohloff.

Die Gastronomie in MV darf erst ab Pfingstsonntag öffnen (23. Mai). Touristen aus dem Land dürfen vom 7. Juni an im Nordosten Urlaub machen, auswärtige Touristen von 14. Juni an.

Die schrittweise, landesweit einheitliche Öffnung des Tourismus sorgt für wachsenden Ärger auf Deutschlands größter Ferieninsel Rügen. Vertreter der Inseln Hiddensee und Rügen sowie von Stralsund fordern in der Region eine deutlich frühere komplette Öffnung von Hotels über Ferienwohnungen bis zu Schwimmbädern und Kultur ab dem 23. Mai. Angesichts niedriger Inzidenzwerte im Landkreis Vorpommern-Rügen sei die verzögerte Öffnung nicht verhältnismäßig und nicht zu akzeptieren, heißt es in einem Papier, das auf der Internetseite des Tourismusverbandes Rügen veröffentlicht wurde.

Der Verband wurde beauftragt, eine Klage gegen die Corona-Landesverordnung einzuleiten. Zunächst hatte die «Ostsee-Zeitung» darüber am Freitag berichtet. Die Erklärung ist auf Mittwoch datiert.

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