Prozess um Kokain: Trio flog wegen geknacktem Netzwerk auf

19.05.2021 Der Prozess gegen drei Männer wegen bandenmäßigen Drogenhandels am Landgericht Neubrandenburg steht im Zusammenhang mit einer aufsehenerregenden Datenabfangaktion französischer Ermittler. Das wurde am Mittwoch bei der Verhandlung in Neubrandenburg bekannt. Hintergrund sind die sogenannten Encrochatdaten von 2020, durch die in der EU bisher mehr als 1800 mutmaßliche Drogenhändler und andere Tatverdächtige aufgeflogen waren. Die Daten hatten die französischen Behörden gewonnen, weil sie einen Server für Krypto-Handys geknackt hatten, die vor allem von Kriminellen genutzt wurden und lange als abhörsicher galten.

Auf der Richterbank liegt am ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck/dpa/Illustration/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten in Neubrandenburg vor, von April bis November 2020 Rauschgift in größeren Mengen aus den Niederlanden geholt und damit gehandelt zu haben. Dabei sollen die Männer Krypto-Handys verwendet haben (Az.: 23 KLs 7/21).

Zur Anklageverlesung kam es noch nicht, da die Verteidiger erneut Verhandlungsaussetzung beantragten. Nach ihrer Auffassung dürften die Handy-Daten, die die Franzosen über das BKA an die deutschen Behörden weitergegeben hatten, in Deutschland vor Gericht nicht verwendet werden. Der vorsitzende Richter Klaus Kabisch vertagte die Verhandlung daraufhin auf den 2. Juni. Dann soll über die Anträge entschieden und im dritten Anlauf die Anklage vorgetragen werden.

Angeklagt sind ein 59-Jähriger und ein 38-Jähriger aus der Region Stavenhagen (Mecklenburgische Seenplatte) und ein 58-Jähriger aus Schwerin. Den Ermittlungen zufolge sollen sie vor allem Kokain in einem Transportfahrzeug versteckt nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht haben, um damit zu handeln. Das Trio war im Herbst 2020 gefasst und in U-Haft genommen worden. Bei Durchsuchungen waren laut Landeskriminalamt etwa zwei Kilogramm Kokain gefunden worden, das auf dem Drogenmarkt einen sechsstelligen Wert haben dürfte.

Gefunden wurden auch kleinere Mengen anderer Drogen, Totschläger, Mobiltelefone und 30.000 Euro Bargeld. Das Verfahren gegen den vierten Tatverdächtigen, der nicht in Haft saß, wurde vom Landgericht abgetrennt.

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