Verbände stellen Strafanzeige nach Großbrand

21.05.2021 Zwei Monate nach dem bisher größten Feuer in einer Schweinezuchtanlage in Deutschland ist die Brandursache weiter unklar. Mehrere Verbände erstatteten Strafanzeige, sie hatten den Brandschutz schon seit Beginn bemängelt. Die Betreiber verweisen auf ihre Genehmigungen.

Die abgebrannten Schweineställe auf dem Gelände der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin. Foto: Stefan Sauer/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Knapp zwei Monate nach dem Großbrand in der Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald) haben mehrere Verbände Strafanzeige gegen den Anlagenbetreiber erstattet. Es gehe um die Tötung von tausenden Schweinen ohne vernünftigen Grund, sagte eine Sprecherin des Landesverbandes MV des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Freitag in Schwerin. Die Anzeige habe der BUND MV mit dem Deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft bei der Staatsanwaltschaft Stralsund gestellt. Einzelheiten zu dem Vorgehen sollen kommende Woche in Schwerin erläutert werden.

Die riesige Ferkelzuchtanlage der Landwirtschaftlichen Ferkelzucht Deutschland Holding (LFD) (Roßdorf) war am 30. März zu großen Teilen abgebrannt. In dem Feuer starben laut LFD und Schweriner Agrarministerium rund 50 000 Tiere, zum Großteil Ferkel. Nur etwa 1300 Schweine konnten gerettet werden.

Die LFD wies darauf hin, dass «die Betriebsstätte Alt Tellin stets unter Einhaltung der erteilten Betriebsgenehmigung sowie einer vorliegenden Brandschutzverordnung betrieben wurde». Wie Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) bei einem Besuch auf dem Brandgelände erklärt hatte, hatte dort noch am Tag vor dem Großfeuer ein Kontrolltermin stattgefunden.

Die Brandursache ist laut Staatsanwaltschaft noch immer unklar. Ein Gutachter untersuche den Fall noch. Ermittelt wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Laut Betreiber arbeite man bei der Suche nach der Ursache eng mit den Behörden zusammen. «Zum jetzigen Zeitpunkt öffentlichkeitswirksam Strafanzeigen zu stellen, ist PR in eigener Sache und für das Aufarbeiten der Sache nicht dienlich», erklärte ein LFD-Sprecher.

Der BUND hatte bereits zur Inbetriebnahme den Brandschutz in Alt Tellin heftig bemängelt und gegen die Betriebsgenehmigung geklagt. Die Klage vor dem Verwaltungsgericht Greifswald war jedoch nie entschieden worden.

Feuerwehrleute konnten bei dem Brand nur verhindern, dass das Feuer auf die Biogasanlage übergriff. Den Schaden schätzt die Staatsanwaltschaft bisher auf rund 40 Millionen Euro.

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