Corona-Spritze vor dem Supermarkt?: Impf-Appell an Menschen

05.07.2021 Die rasante Ausbreitung der Delta-Virusvariante alarmiert auch die Landesregierung in Schwerin. Mit Blick auf den frühen Schulstart Anfang August forciert sie nun die Corona-Impfkampagne. Mobile Impfteams könnten künftig auch vor Supermärkten impfen.

Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, gestikuliert. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mecklenburg-Vorpommern will die Corona-Schutzimpfungen noch mehr in die Fläche und damit hin zu den Menschen tragen. Wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Montag in Schwerin sagte, sollen in Städten und Dörfern deutlich mehr Angebote ohne vorherige Terminabsprachen unterbreitet werden. «Die Landkreise und kreisfreien Städte zünden jetzt die Stufe zwei. Wir gehen weg vom Impfen in den Impfzentren. Das ist auch weiter möglich. Aber wir gehen mit mobilen Impfteams immer mehr raus, vor Ort, wo die Bürgerinnen und Bürger sind», sagte Schwesig nach Beratungen der Landesregierung zur Corona-Lage. Daran hatten erneut auch Vertreter von Kommunen, Gewerkschaften und zahlreichen Verbänden teilgenommen.

So werde es vermehrt regionale Impfaktionen geben und auch im Arbeitsbereich solle es verstärkt Impfangebote geben. Zudem werde geprüft, ob vor Einkaufszentren Impfstationen aufgebaut werden können. Es sei wichtig, sich jetzt impfen zu lassen, bevor die Delta-Variante auch Deutschland überrolle, sagte Schwesig und verwies auf einen gemeinsamen Impfaufruf aller an den Beratungen Beteiligter.

Impfen bedeute mehr Schutz für den Einzelnen und für die Gemeinschaft. Durch die Impffortschritte und den harten Lockdown im Frühjahr seien viele Lockerungen erreicht worden. Die Kinder könnten die Ferien genießen, Familien wieder gemeinsam essen gehen und in allen Bereichen könne wieder gearbeitet werden. «Genau das wollen wir uns gemeinsam erhalten. Und hier hilft jeder Piks weiter», betonte Schwesig. Impfen sei der Weg aus der Pandemie. Inzwischen komme auch genügend Impfstoff ins Land, um jeden, der es wolle, impfen zu können.

Laut Robert Koch-Institut sind im Nordosten etwa 650 000 Menschen und damit gut 40 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. 250 000 weitere haben die erste Impfung erhalten, doch nicht alle holen sich auch die für die Immunisierung nötige zweite Spritze ab. Nach Angaben von Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) kommen je nach Impfzentrum zwischen 15 bis 40 Prozent der Betroffenen nicht zu den vereinbarten Impfterminen. Dieses Verhalten mit Bußgeldern zu sanktionieren, wie es teilweise gefordert wird, lehnte Schwesig ab: «Wir wollen mit Angeboten um die Ecke kommen und nicht mit Drohkulissen», sagte sie.

Bereits jetzt sei es so, dass die Landkreise und kreisfreien Städte für Aktionen verstärkt in die Fläche gehen, sagte Glawe. Es sei Flexibilität gefragt. Entscheidend sei, die Struktur so auszurichten, dass Impfzentren, deren Bedeutung abnehme, auch reaktiviert werden könnten - etwa mit Blick auf die Auffrischungsimpfungen. «Dafür müssen wir eine entsprechende Infrastruktur vorhalten.»

Gemeinsam mit Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) appellierte Glawe an die Eltern von Schulkindern, die verbleibenden vier Wochen bis zum Schulstart für die eigene Corona-Schutzimpfung zu nutzen. «Schützen Sie sich selbst, schützen Sie ihre Angehörigen und tragen Sie dazu bei, Schulen und Kindertagesstätten auch nach den Sommerferien regulär im Präsenzbetrieb offen zu halten», heißt es in einem von beiden Ministern unterzeichneten Elternbrief.

Nur mit Präsenzunterricht, der coronabedingt monatelang für viele Schüler nicht möglich war, könne Bildungs- und Chancengleichheit gewährleistet werden. Neben der Fortschreibung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen an den Schulen sei eine möglichst hohe Impfbeteiligung in den Familien ein wichtiger Baustein für eine «sichere Schule», heißt es in dem Brief weiter.

Da die Ständige Impfkommission (Stiko) bislang eine Regelimpfung für 12- bis 17-Jährige nicht empfehle, sei es vor allem auch in deren Interesse, wenn sich möglichst viele Eltern und volljährige Schüler impfen ließen. Nur so könne sicher verhindert werden, dass sich Kinder über Erwachsene anstecken und nur so könnten Viruseinträge von Außen in die Schulen reduziert werden.

Schwesig forderte erneut die Prüfung international vorliegender Daten zum Infektionsgeschehen bei Minderjährigen. In Ländern wie Großbritannien und Portugal zeige sich, dass sich gerade Jüngere mit der Delta-Variante infizierten. Sie mache sich Sorgen, dass Erwachsene die Möglichkeit hätten, sich mit Impfungen zu schützen, die Kinder aber nicht.

Mecklenburg-Vorpommern startet bereits am 2. August als erstes Bundesland in das neue Schuljahr. Die neue, ansteckendere Delta-Virusvariante und die Rückkehr von Urlauber aus ausländischen Risikogebieten schüren die Sorge vor einer weiteren Infektionswelle nach dem Sommer und der Notwendigkeit, die Schutzvorkehrungen erneut zu verschärfen, bis hin zu neuerlichen Schulschließungen. Die Landesregierung in Schwerin hatte stets als eines ihrer wichtigsten Ziele formuliert, Kitas und Schulen offen zu halten.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde am Montag eine weitere Corona-Neuinfektion gemeldet. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock mitteilte, blieb damit die Inzidenz pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen bei 1,3. Die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Infektionen im Land erhöhte sich damit auf 44 166. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg allerdings um zwei und liegt nun bei 1158. Derzeit werden neun Corona-Patienten in Kliniken behandelt, fünf davon auf Intensivstationen.

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