Arbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern erneut gesunken

29.07.2021 Betriebsferien und das Ende des Lehrjahres sorgen im Juli üblicherweise für eine Sommerflaute am Arbeitsmarkt. Die zeigt sich in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr nicht - wohl auch wegen des Tourismuseffekts.

Das Logo der Bundesagentur für Arbeit. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Urlauberzustrom in der Ferienzeit hat den Arbeitsmarkt im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern weiter belebt. Wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit in Kiel am Donnerstag mitteilte, sank die Zahl der Arbeitslosen im Juli um 1400 auf 60.200. Im Vergleich zum Juli 2020 waren im Nordosten 5600 Menschen weniger arbeitslos gemeldet.

Die Arbeitslosenquote sank binnen eines Monats von 7,5 auf 7,3 Prozent. Sie lang damit unter den aktuellen Werten westdeutscher Länder wie Hamburg (7,6) oder Nordrhein-Westfalen (7,4) aber über denen von Sachsen (5,7) und Thüringen (5,4). Bundesweit sank die Quote leicht auf 5,3 - ein Wert, dem der Landkreis Rostock mit 5,5 Prozent bereits sehr nahe kommt. Stichtag für die Erhebung der aktuellen Zahlen war der 13. Juli.

Wie die Chefin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann, erklärte, fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern zwar schwächer aus als im Juni, doch sei die sonst im Juli übliche Sommerflaute in diesem Jahr ausgeblieben. «Wer kann, versucht nun mit voller Kraft loszulegen», sagte sie. Das zeige sich auch an der Zahl der gemeldeten offenen Stellen, die im Juli bei 4500 liege und sich seit Jahresbeginn auf 27.100 summiere.

«Die Personalnachfrage der Betriebe hat nochmals zugenommen. Die Zahl der Stellenanzeigen lag im Juli höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vor-Corona-Jahres 2019. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt zu. So kann es gern weitergehen», sagte Haupt-Koopmann. Besonders hoch sei die Fachkräftenachfrage im Gastgewerbe, im Handel, in Gesundheits- und Sozialwesen sowie im verarbeitenden Gewerbe.

Zugleich betonte Haupt-Koopmann, dass die Spuren der Corona-Pandemie am Arbeitsmarkt noch immer sichtbar seien und das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht werde. Noch immer seien Beschäftigte in Kurzarbeit und die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei weiterhin hoch. Laut Statistik waren im Juli landesweit 26.450 Menschen länger als ein Jahr ohne Anstellung, fast ein Viertel mehr als Mitte 2020. Doch seien die coronabedingt ausgesetzten Praktika und Coachings zur Wiedereingliederung inzwischen wieder angelaufen und damit wachse auch die Erwartung, dass der leicht rückläufige Trend bei der Langzeitarbeitslosigkeit verstärkt werden könne.

Der überdurchschnittliche Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit sei typisch für den Monat Juli. Nach Abschluss der Schule oder der Berufsausbildung würden sich Jugendliche vorübergehend arbeitslos melden. «Das wird schon im Herbst ganz anders aussehen. Dies gilt insbesondere für die frisch ausgelernten Fachkräfte, die von ihren Ausbildungsbetrieben aus unterschiedlichen Gründen nicht übernommen werden konnten», sagte Haupt-Koopmann. Die Fachkräfte-Nachfrage sei groß.

Zudem gebe es noch viele offene Lehrstellen. Knapp 2000 unversorgten Bewerbern stünden 4300 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. «Wer noch nicht weiß, wo seine berufliche Zukunft liegen soll, kann ein Praktikum machen. Kein Jugendlicher muss seine berufliche Ausbildung ins nächste Jahr verschieben», betonte Haupt-Koopmann.

Auch nach Ansicht von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) haben Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern interessante Angebote für den Start ins Berufsleben. Neue Mitarbeiter und vor allem Auszubildende würden gesucht. Die gemeinsame Kampagne von Industrie- und Handelskammern «Durchstarten in MV» erleichtere die Entscheidung für einen Ausbildungsplatz.

Glawe verwies zudem auf die Vielzahl der Stabilisierungs- und Stützungsmaßnahmen von Bund und Land. Damit hätten Arbeitgeber ihre Beschäftigten vielfach auch über die Corona-Krise hinweg im Betrieb halten können. «Die wichtigste Aufgabe bleibt derzeit, Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich so gut wie möglich weiter zu stärken und Arbeitsplätze zu sichern, damit unser Land möglichst bald wieder an die positive Entwicklung der vergangenen Jahre anknüpfen kann», so Glawe

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