Richter krank: Prozess um Kokain-Bande muss neu beginnen

02.08.2021 Drei Monate nach Beginn ist der Prozess gegen eine mutmaßliche Kokain-Bande in Neubrandenburg geplatzt. Wie das Landgericht am Montag mitteilte, ist einer der Richter so schwer erkrankt, dass das Verfahren nicht innerhalb der gesetzlich nötigen Fristen weitergeführt werden kann. Damit müsse der Prozess, der im Zusammenhang mit sogenannten Encrochat-Daten steht, neu beginnen. Im Vorfeld wollen Anwälte der drei Angeklagten allerdings deren Haftbefehle aufheben lassen. Darüber müsse das Oberlandesgericht noch entscheiden.

Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Den drei Männern wird von der Staatsanwaltschaft bandenmäßiger Drogenhandel vorgeworfen. Sie sollen von April bis November 2020 größere Mengen an Rauschgift in präparierten Autos aus den Niederlanden geholt und damit gehandelt zu haben. (Az.: 23 KLs 7/21)

Die Ermittler kamen den Männern durch die Entschlüsselung der Encrochat-Plattform über französische Spezialisten auf die Spur. Die Daten wurden deutschen Behörden zur Verfügung gestellt. Über dieses als «abhörsicher» eingestufte System kommunizierten viele Verdächtige aus der Drogenszene mit sogenannten Kryptohandys.

Die drei Beschuldigten waren im Herbst 2020 aufgeflogen und seither in U-Haft. Sie schwiegen vor Gericht. Nach der Festnahme waren in einem Auto-Versteck in einer Türschwelle zwei Kilogramm Kokain gefunden worden. Dessen Wert wurde auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt. Aufgrund der Encrochat-Daten sind in der EU bisher mehr als 1800 mutmaßliche Drogenhändler und andere Tatverdächtige aufgeflogen.

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