Weniger Schweine werden in MV artgerecht gehalten

04.08.2021 Die Lebensbedingungen für Schweine haben sich in den letzten zehn Jahren in Mecklenburg-Vorpommern verschlechtert statt verbessert. Ein Unding, sagt die Umweltorganisation BUND.

Fleckviehrinder stehen auf einer Weide. Foto: Jens Büttner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die artgerechte Tierhaltung hat in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen zehn Jahren bei Rindern und Legehennen zugenommen. Für Schweine haben sich die Haltungsbedingungen hingegen verschlechtert. Das geht aus Daten hervor, die das Statistische Landesamt am Mittwoch veröffentlicht hat.

Rund 90.000 Schweine mehr als im Jahr 2010 wurden am Stichtag 1. März 2020 auf den umstrittenen Vollspaltenböden gehalten. Ihre Zahl wuchs dem Amt zufolge in diesem Zeitraum von 526.700 auf 615.400. «Das ist ein Anstieg von 62 Prozent auf 75 Prozent an den Haltungsplätzen für Schweine insgesamt.» Auf Stroh (Tiefstreu) lebten 2020 nur 3 Prozent aller Schweine.

«In der Schweinehaltung sind noch Schritte zu gehen», räumte Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur ein. Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass ein Schweinehalter auch von seiner Arbeit leben können müsse. Seine Existenz sei momentan durch die seit langem niedrigen Preise und die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest ohnehin bedroht. «In dieser Situation ist es unangebracht, auf diejenigen verbal einzuschlagen, die einen wichtigen Teil zur Ernährung der Bevölkerung beitragen.» Er sprach sich dafür aus, mit der Landwirtschaft als Partner «konsequent auf eine umweltverträgliche Landwirtschaft» hinzuarbeiten.

Für die Umweltorganisation BUND ist hingegen klar, dass Spaltenböden einer artgerechten Schweinehaltung zuwiderlaufen. «Das Wichtigste für Schweine ist Auslauf auf festen Böden mit Einstreu, erst dann kommt artgerechtes Futter», sagte der Agrarexperte des BUND Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Roloff. Er forderte ein Verbot von Spaltenböden in der Bundes-Schweinehaltungsverordnung. «Wer Tierschutz will, muss weg von Spaltenböden.»

Rindern geht es hingegen besser als vor zehn Jahren: Die Landwirtschaftszählung 2020 ergab dem Statistik-Amt zufolge 431 800 Plätze für Rinder in Laufställen, was einem Anteil von 94 Prozent entsprach. Zehn Jahre davor betrug der Anteil erst 84 Prozent. Angebunden würden nur noch rund 2 Prozent der Rinder. Weidehaltung betrieben den Angaben zufolge zuletzt knapp 54 Prozent der milchkuhhaltenden Betriebe und knapp 84 Prozent der übrigen rinderhaltenden Betriebe.

Bei den Legehennen gab es im Vergleich der Zählungen von 2010 und 2020 einen Anstieg sowohl in der Freiland- als auch in der Bodenhaltung, «und zwar von 1.127.500 Haltungsplätzen auf 2.101.900 im Freiland und von 1.523.300 Haltungsplätzen auf 1.527.400 für die Bodenhaltung». Mit einem Anteil von 58 Prozent im Jahr 2020 dominierte damit die Freilandhaltung (2010: 43 Prozent).

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