Attacke auf Straße: Mann beruft sich auf Erinnerungslücken

16.02.2021 Anzeige bei der Polizei, Flucht ins Frauenhaus: Beides hat einer 42-Jährigen nicht geholfen. Sie wurde überfallen und erstochen. Ihr tatverdächtiger Ex-Lebensgefährte weist beim Prozessauftakt jede Schuld am gewaltsamen Tod der Frau von sich.

Eine Frau betritt das Landgericht Hannover. Foto: picture alliance / Holger Hollemann/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weil er seiner Ex-Partnerin aufgelauert und sie mit Messerstichen ins Herz getötet haben soll, muss sich ein 59-Jähriger seit Dienstag vor dem Landgericht Hannover verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Bad Pyrmont Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Er soll Ende August 2020 nachts auf einer Landstraße das Auto der 42-Jährigen, die von der Arbeit kam, ausgebremst haben. Sie wählte den Notruf, doch der Täter schlug mit einem Hammer die Seitenscheibe ein und stach auf sie ein. Die Frau flüchtete schwer verletzt aus dem Wagen. Laut Anklage erlitt sie mindestens 15 Stich- und Schnittwunden, davon zwei Stiche durchs Herz, und starb noch am Tatort an massivem Blutverlust.

Sie hatte ihren Partner kurz zuvor wegen häuslicher Gewalt angezeigt und war in ein Frauenhaus geflüchtet. Zum Prozessauftakt berief sich der große, kräftige Angeklagte auf Erinnerungslücken. Seine Erinnerung setze erst wieder ein, als er in Polizeigewahrsam war, übersetzte eine Dolmetscherin für ihn. Der mutmaßliche Mörder sowie sein Opfer stammen beide aus Polen. Sie lernten sich im Frühjahr 2018 im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück kennen, wo beide als Leiharbeiter in der Fleischindustrie tätig waren. Später zogen sie ins ostfriesische Aurich und danach nach Bad Pyrmont. Auch hier arbeiteten beide im gleichen Betrieb, meist Nachtschicht.

Der Vorsitzende Richter Stefan Joseph fragte den Angeklagten, ob er glaube, dass er die Frau mit seinem Auto zum Halten gezwungen und getötet habe, auch wenn er sich nicht erinnern könne. «Das glaube ich nicht, denn bei 2,3 Promille könnte ich gar nicht fahren», antwortete der Mann. Er habe zuvor viel Wodka getrunken. Ein zufällig vorbeifahrender Zeuge hatte die blutüberströmte Frau auf der Straße zwischen Hämelschenburg und Amelgatzen gefunden, wie die Polizei damals berichtete.

Der Angeklagte bestritt zudem, wütend auf seine frühere Partnerin gewesen zu sein. Sie hätten nie gestritten, es habe nie Gewalt gegeben. Er war kurz nach dem Verbrechen in seiner Wohnung festgenommen worden. Dort fanden die Beamten blutverschmierte Kleidung.

Als Nebenkläger treten in dem Prozess die Mutter der Getöteten und der damals getrennt von ihr lebende Ehemann auf. Sie waren beim Prozessauftakt aber nicht im Gerichtssaal, sondern ließen sich von Anwälten vertreten. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Nach dieser Planung könnte am 19. März das Urteil gesprochen werden.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News