Niedersachsen macht sich locker: Die neuen Corona-Regeln

07.03.2021 Es ist nicht lange her, da führte die Sorge vor den Virusvarianten zu einer Verlängerung des Lockdowns. Doch jetzt stehen Lockerungen an - obwohl die Infektionszahlen fast unverändert und kostenlose Schnelltests noch nicht flächendeckend verfügbar sind.

Ein Schild weist auf Mundschutzpflicht hin. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die von Bund und Ländern vereinbarten Lockerungen der Corona-Regeln gelten von Montag an auch in Niedersachsen. Private Treffen werden erleichtert: Statt wie bisher nur eine weitere Person dürfen sich wieder bis zu fünf Menschen aus zwei Haushalten treffen - jedenfalls dort, wo die Inzidenz zwischen 35 und 100 liegt. Kinder bis einschließlich 14 Jahre werden dabei nicht mitgezählt, Paare zählen als ein Hausstand. Treffen von höchstens zehn Personen aus höchstens drei Haushalten können die Städte oder Landkreise nur zulassen, wenn die betreffende Kommune auf nicht mehr als 35 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche kommt.

Körpernahe Dienstleistungen, bei denen nicht durchgehend eine medizinische Maske getragen werden könne, seien nur nach vorherigem negativem Schnelltest zulässig, teilte die Landesregierung am Sonntag mit. Flächendeckende kostenlose Schnelltests bei Ärzten, in Impfzentren und Apotheken wird es in Niedersachsen aber zunächst noch nicht geben. Bei Ärzten seien entsprechende Tests möglich, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Das Netz müsse aber noch ausgebaut werden. Daneben sind Laien-Selbsttests zur Anwendung zuhause in die ersten Supermärkte gekommen - und waren sofort vergriffen.

«Wir dürfen leider in Regionen, in denen wir eine 7-Tages-Inzidenz von über 100 haben, kein Risiko eingehen. Noch sind nicht alle älteren Menschen in Niedersachsen geimpft, und auch bei den jüngeren gibt es schwere und mitunter schwerste Krankheitsverläufe», warnte Ministerpräsident Stephan Weil. Der SPD-Politiker rief die Menschen dazu auf, von den Lockerungen «bitte nur sehr vorsichtig und zurückhaltend Gebrauch zu machen».

In Regionen, deren Sieben-Tage-Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner liegt, kehren die Kitas in den eingeschränkten Regelbetrieb zurück. Außerdem dürfen dort die Geschäfte für Terminshopping öffnen, in den Schulen gilt für Grundschüler und Abschlussklassen wieder die Präsenzpflicht, Museen und Zoos dürfen mit halber Kapazität und Anmeldepflicht öffnen. Sport ist für bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten drinnen und draußen erlaubt, Kinder bis 14 Jahre dürfen draußen auch in Gruppen von bis zu 20 Personen Sport treiben.

Bund und Länder hatten den Rahmen dieser Öffnungsschritte miteinander abgestimmt. In einigen Bereichen, etwa bei den Schulen und Kitas, konnte aber jedes Land selbst entscheiden, wie es die Lockerungen genau umsetzen will.

Obwohl es Lockerungen gibt, ist eine klare Entspannung der Infektionslage bisher nicht in Sicht. Der landesweite Sieben-Tage-Wert lag zuletzt stabil zwischen 60 und 70. Mehrere Städte und Landkreise, unter anderem die Region Hannover, überschritten sogar die Inzidenzmarke von 100 Neuinfektionen. Die Infektionslage bleibt nach Einschätzung der Landesregierung uneinheitlich und in Teilen des Landes «nach wie vor beunruhigend». Landesweit lag die Inzidenz am Sonntag bei 65,1 Infektionsfällen bezogen auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche. 876 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus wurden gemeldet.

Vize-Ministerpräsident Bernd Althusmann (CDU) hatte vor diesem Hintergrund im Landtag gewarnt, dass die Gefahr von Rückschlägen nicht gebannt sei. Ob die Schritte zurück in ein normales Leben gelingen, hänge nicht nur von politischen Entscheidungen, sondern vor allem von der Infektionslage ab.

Auch die Impfungen könnten die Infektionszahlen noch nicht spürbar senken, sagte der Wirtschaftsminister. Das gilt für Niedersachsen ganz besonders, denn das Land liegt im bundesweiten Vergleich des Impffortschritts nach wie vor am Tabellenende. Lediglich etwas mehr als jeder zwanzigste Niedersachse hat bisher die erste Corona-Impfung bekommen. Eine niedrigere Quote hatten zuletzt nur Sachsen-Anhalt und Hessen.

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