Prozess um Tod kleiner Sklavin: Jennifer W. als Zeugin

15.03.2021 Im Prozess um den Tod eines jesidischen Sklavenmädchens hat nun die Ehefrau des Angeklagten ausgesagt. Gegen sie läuft in München ebenfalls ein Verfahren. In Frankfurt schilderte sie ihre Sicht der Ereignisse.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die wegen Mordes und Kriegsverbrechen in München angeklagte mutmaßliche IS-Terroristin Jennifer W. hat am Montag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt ausgesagt. Die aus Lohne (Kreis Vechta) stammende Frau war als Zeugin im Prozess gegen ihren früheren Ehemann geladen, der - wie sie - wegen Mordes an einem kleinen jesidischen Mädchen vor Gericht steht.

Während sie in ihrem eigenen Prozess am OLG München fast zwei Jahre lang geschwiegen hatte und erst in der vergangenen Woche über ihre Anwältin eine Erklärung zu den Tatvorwürfen verlesen ließ, sprach sie in Frankfurt selbst - darüber, wie sie in einem Frauenhaus der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihren späteren Ehemann kennengelernt habe. Dieser sei kein Kämpfer gewesen, sondern habe religiöse Geisteraustreibungen vorgenommen.

Der Iraker Taha Al-J. muss sich seit April vergangenen Jahres vor dem OLG Frankfurt verantworten. Ihm werden unter anderem Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Dabei geht es insbesondere um die Versklavung einer jesidischen Frau und ihrer fünfjährigen Tochter. Der Mann soll das Mädchen als Bestrafung bei glühender Hitze an ein Fenster im Hof seines Hauses gebunden haben. Das Kind starb qualvoll, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Jennifer W. ist wegen Mordes angeklagt, weil sie tatenlos dabei zugesehen haben soll.

Als Zeugin schilderte Jennifer W., dass die Frau und ihre Tochter auf der Reise von Syrien in den Irak von Al-J. aus einem Haus geholt wurden. Sie habe zunächst gedacht, dass es sich um eine Zweitfrau handele, sagte sie. Später habe sie sich zusammengereimt, dass es sich bei der Frau um eine jesidische Sklavin gehandelt habe, da sie überwiegend kurdisch sprach. Ihr Mann habe die Frau sehr streng behandelt und auch häufig geschlagen, sagte die junge Deutsche. Etwas, das sie vor Gericht in München nicht mitgeteilt hatte.

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