Corona-Pandemie lässt Zahl der Wohnungseinbrüche zurückgehen

17.03.2021 Gelegenheit macht Diebe, so das Sprichwort. Ohne geöffnete Kneipen keine Zechprellerei, ohne Menschenansammlungen kein Taschendiebstahl. Doch Pandemie und Corona-Lockdown begünstigen andere Deliktarten.

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Pandemie wirkt sich in Bremen deutlich auf die Art und Anzahl der Strafdelikte aus. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank 2020 im Vorjahresvergleich um 20,7 Prozent und der Taschendiebstähle sogar um 43,4 Prozent. In der Stadt nahmen häusliche Gewalt um rund 16 Prozent und Einbrüche in Büros und Diensträume um 34 Prozent zu.

Die Pandemie habe erhebliche Auswirkungen auf die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen. Wenn Menschen mehr zuhause im Homeoffice seien, gebe es weniger Tatgelegenheiten für Wohnungseinbrüche, dafür aber mehr Gelegenheit, in leerstehende Büros oder Werkstätten einzubrechen. In Bremerhaven erreichte die Zahl der Wohnungseinbrüche mit 252 Fällen einen historischen Tiefstand.

Künftig werde es bei Vergleichen der unterschiedlichen Jahresstatistiken eine Zeitrechnung vor und nach Ausbruch der Pandemie geben müssen, sagte Mäurer. Beispiel Subventionsbetrug: Während die Statistik 2019 kein einziges derartiges Delikt verzeichnete, gab es 2020 gleich 101 Fälle. Dabei handele es sich im Wesentlichen um Betrügereien im Zusammenhang mit den Corona-Soforthilfen, sagte der Vizepräsident der Polizei Bremen, Dirk Fasse.

Einen erheblichen Anstieg weist die Statistik auch für Delikte mit dem «Tatmittel Internet» aus. In der Stadt Bremen nahmen solche Straftaten um 58,3 Prozent zu. Der Anstieg sei wenig überraschend, da sich die Menschen aufgrund der massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens verstärkt im Internet aufhielten. «Dies machen sich natürlich auch die Täterinnen und Täter zunutze», sagte Mäurer.

Der innenpolitische Sprecher der Bremer CDU-Fraktion, Marco Lübke, mahnte angesichts der Zahlen die Einrichtung einer «Cyber-Polizei» an, die dieser Aufgabe gewachsen sei. Die Pandemie verändere das Verhalten der Täter, die sich neue Wege suchten. «Die Bremer Polizei ist für die Aufklärung dieser sprunghaft gestiegenen Fälle nicht ausgestattet, geschweige denn verfügt sie über die Einsatzmittel, um besonders trickreiche Internetkriminalität zu verfolgen.»

Für Bremen erhöhte sich Gesamtkriminalität im Vergleich zu 2019 leicht um 1102 auf 66 971 Fälle. Bezogen auf sämtliche Delikte stieg die Aufklärungsquote auf 51,7 Prozent und damit laut Innenbehörde auf den höchsten Stand im 25-Jahresvergleich. In Bremerhaven wurden 13 306 Straftaten und damit 1286 mehr als 2019 registriert. Dort lag die Aufklärungsquote bei 48,8 Prozent.

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