Prozess gegen Getreidediebe: 1,7 Millionen Euro Schaden

24.03.2021 Niedersachsen ist Agrarland Nr. 1, also hat auch das Verbrechen manchmal einen landwirtschaftlichen Einschlag. Vor Gericht in Oldenburg geht es um den Diebstahl von Getreide in großem Stil. Mitangeklagt: drei Männer aus einem Wanderzirkus.

Eine goldfarbene Justitia-Figur. Foto: Britta Pedersen/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eine Anklageschrift mit 180 Seiten, 510 angeklagte Einzeltaten: In Oldenburg hat am Mittwoch ein großer Prozess gegen eine gut organisierte Bande mutmaßlicher Getreidediebe begonnen. Einen Schaden von 1,7 Millionen Euro sollen die sieben Angeklagten einer Futtermittelfirma zugefügt haben, wie die Staatsanwaltschaft vorrechnete. Sie wertet die Taten als schweren Bandendiebstahl (Az: 4 KLs 103/20). Das Landgericht Oldenburg wich mit dem Prozess in die Weser-Ems-Hallen aus, um trotz der vielen Beteiligten die Schutzabstände wegen Corona einhalten zu können.

Die Angeklagten sind zwischen 26 und 73 Jahren alt. Vier von ihnen arbeiteten in einem Futtermittelbetrieb in Essen im Kreis Cloppenburg. Die Filiale gehört zu einer Firma in Garrel. Die Taten liefen den Angaben zufolge immer gleich ab: Wenn diese Mitarbeiter Spät- oder Nachtschicht hatten, sollen sie jeweils ein oder zwei fremde Lastwagen auf das Firmengelände gelassen und beladen haben.

Dann sollen drei andere Männer das gestohlene Getreide abtransportiert und es billig an andere Landhandelsfirmen verkauft haben. Diese drei Angeklagten wurden aus der Untersuchungshaft zur Verhandlung gebracht. Der Staatsanwaltschaft zufolge sind sie Großvater, Sohn und Enkel. Sie kommen aus einem kleinen Wanderzirkus, der in der Region Quartier hat. Die Anklage gegen eine mutmaßlich beteiligte Frau aus dem Zirkus hatte das Gericht vor Prozessbeginn fallengelassen.

Die 510 Taten, um die es im Prozess geht, ereigneten sich laut Staatsanwaltschaft zwischen Januar 2018 und August 2020. Der Futtermittelfirma fiel der Fehlbestand bei einer Inventur auf. Danach fehlten seit Anfang 2019 mehr als 6800 Tonnen Getreide. Die Polizei berichtete im Herbst 2020, dass die Diebstähle sogar bis 2013 zurückreichen könnten. Den damaligen Berechnungen nach könnten 10 000 Tonnen Getreide für 2,8 Millionen Euro verloren gegangen sein.

Auch einige Mitarbeiter der bestohlenen Firma mussten zunächst in U-Haft. Sie kamen aber vorerst frei, weil sie in den Ermittlungsphase ein Geständnis ablegten. Für den Prozess sind etwa 20 Verhandlungstage anberaumt.

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