Angst um ihr Leben: 47-Jährige gesteht Mord an Ehemann

25.03.2021 Hat eine Frau in Hannover ihren schlafenden Mann erstochen, ihm brutal ein Messer in die Brust gerammt? So lautet die Anklage. Die 47-Jährige sieht das etwas anders. Vor allem eines habe sie in der Tatnacht gefühlt.

Das Landgericht Hannover ist von außen zu sehen. Foto: picture alliance / Holger Hollemann/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Immer wieder sieht sie sich hilfesuchend um, die Stimme ist tränenerstickt: «Mir war nicht bewusst, dass ich das gewesen sein könnte.» Zum Prozessauftakt in Hannover hat die wegen Mordes angeklagte 47-Jährige gestanden, ihren Mann erstochen zu haben. Sie habe sich gegen ihren betrunkenen Mann gewehrt, der ihren Kopf gegen die Wand gedrückt und seinen Unterarm gegen ihren Hals gepresst habe, sagte ihr Verteidiger am Donnerstag am Landgericht in einer Erklärung. Dabei habe sie ihn mit einem Messer, das sie zuvor aufgehoben habe, unabsichtlich verletzt: «Ich wollte meinen Ehemann nicht töten.»

Nach der Erklärung des Anwalts wollte der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts Hannover, Stefan Joseph, vor allem wissen: «Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?» Schon bei der Polizei, meinte er. Die müde und gestresst wirkende Frau erklärte, sie habe unter Schock gestanden, auch habe sie befürchtet, das Jugendamt werde ihr ihre Kinder wegnehmen. Die Familie hat zwei Töchter im Alter von 29 und 13 Jahren und einen 16-jährigen Sohn. Die jüngste Tochter war dabei, als der Vater tödlich verletzt wurde.

Laut Anklage soll die 47-jährige Deutsche ihren Mann im vergangenen Oktober im gemeinsamen Haus nach einem Streit mit einem 15 Zentimeter langen Messer erstochen haben, als er schlief (Az.: 39 Ks 1/21). Sie soll ihm den Mund zugehalten und das Messer in seine Brust gerammt haben. Das Messer durchbohrte das Herz, der Mann starb binnen kürzester Zeit an inneren Blutungen. Die Frau habe die Arglosigkeit des Opfers ausgenutzt, das keinen Angriff erwartet habe, so die Anklage.

Was war passiert in der Nacht zum 21. Oktober 2020? Ihr Mann sei spät abends - «wie schon oft» - betrunken nach Hause gekommen, habe zwei Küchenmesser und einen Kartoffelschäler, die nach dem gemeinsamen Kochen bei ihrer Nachbarin auf dem Tisch lagen, heruntergeworfen, und sie beschimpft, sagt die Frau. Sie habe eines der Messer aufgehoben, gleichzeitig habe der Mann sie an den Haaren gepackt, ihren Kopf gegen die Wand gepresst und ihr die Luft abgedrückt. Mit dem Messer in der Hand habe sie versucht, sich aus dem Griff herauszuwinden, dabei verletzte sie ihn mit dem Messer.

Die damals zwölfjährige Tochter sei dazugekommen, sie habe den Mann ins Schlafzimmer geschoben. Dann war es still. Am nächsten Morgen habe sie gemerkt, dass er tot war, schilderte die 47-Jährige. Sie habe versucht ihn wiederzubeleben und die Tochter gebeten, den Notarzt zu rufen. «Es wurde mir langsam bewusst, dass ich es war.» Sie habe Angst um ihr Leben gehabt.

Dennoch habe sie ihren Mann geliebt, er sei ein komplett anderer Mensch gewesen, wenn er nicht betrunken war: «Ich kannte auch eine andere Seite an ihm.» Daher sei sie bei ihm geblieben - 30 Jahre.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News