Neun Menschen auf Ex-Bohrinsel eingeschlossen

06.04.2021 Der Besuch auf einer ehemaligen Bohrinsel in Ostfriesland wird für neun Ausflügler zu einem nass-kühlen Ostererlebnis: Die Flut versperrt ihnen den Rückweg an Land. Für die Rettungskräfte ist es nicht der erste Einsatz dieser Art.

Das Blaulicht an einem Polizeiauto leuchtet. Foto: Patrick Pleul/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Allein auf einer ehemaligen Bohrinsel und rundherum nur Wasser: Insgesamt neun Ausflügler sind auf der stillgelegten Dollart-Bohrinsel Dyksterhusen in Ostfriesland von der Flut überrascht und vom Wasser eingeschlossen worden. Trotz des auflaufenden Wassers versuchte ein Paar mit ihrem Auto noch über die Insel-Zufahrt, einen etwa 400 Meter langen Damm, zurück ans Festland zu fahren, wie der Sprecher der Kreisfeuerwehr Leer, Dominik Janßen, am Dienstag sagte. Die beiden blieben am Ostermontag allerdings mit ihrem Wagen nach wenigen Metern im etwa zwei Grad kalten Wasser stecken und retteten sich nass und unterkühlt zurück auf die Insel.

Die Feuerwehr rückte am Nachmittag mit drei Booten und rund 50 Kräften, darunter auch Taucher der Wasserrettung, zu der Insel in der Gemeinde Jemgum (Landkreis Leer) an. Das Pärchen wurde mit einem Boot von der Insel geholt und zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Feuerwehrkräfte zogen das im Wasser schwimmende Auto ans Ufer und räumten so die Zufahrt. Die restlichen Eingeschlossenen mussten in ihren Autos über Stunden auf der Plattform ausharren und auf die Ebbe warten. Am Abend hätten sie die Insel selbstständig und unbeschadet verlassen können, sagte der Feuerwehrsprecher.

Die stillgelegte Bohrinsel nahe der Ortschaft Dyksterhusen ragt weit in die Meeresbucht Dollart hinein. Nach Angaben des Landkreises Leer wurde sie 1964 für Probebohrungen nach Erdgas errichtet. Für Einheimische und Touristen ist sie ein beliebter Ausflugsort. Die Plattform bietet nicht nur einen Ausblick auf den Dollart, sondern auch eine Bade- und Campingmöglichkeit.

Nach Angaben der Feuerwehr bestand für die Eingeschlossenen auf der Plattform keine Gefahr, da diese mehrere Meter aus dem Wasser ragt. Die Zufahrt dagegen werde mit der Flut zwei Mal täglich etwas unter Wasser gesetzt, sagte Janßen. «Jeder hier weiß, dass das passiert.» Durch das stürmische Wetter und leicht erhöhte Wasserstände habe das Nass am Montag etwa Brusthöhe erreicht, sagte der Sprecher.

Bei der Feuerwehr sorgte der Leichtsinn der Ausflügler daher auch für Kopfschütteln - zumal es sich bei den Eingeschlossenen um Einheimische gehandelt habe, sagte Janßen. Zu ähnlichen Einsätzen komme es drei bis vier Mal im Jahr. «Es kann doch nicht sein, dass wir da immer ein Großaufgebot losschicken», sagte er. Schließlich seien die Feuerwehrleute allesamt ehrenamtlich im Dienst.

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