Land prüft Corona-Lockerungen: Mehr Menschen impfberechtigt

02.05.2021 Niedersachsens Landesregierung liebäugelt mit Corona-Lockerungen. Doch nach wie vor stecken sich jeden Tag Hunderte Menschen mit dem Virus an. Immerhin: Der Kreis der Impfberechtigten wird immer größer.

Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Niedersachsen könnten schon Mitte Mai einige Corona-Auflagen wieder gelockert werden. Die Landesregierung prüft derzeit, welche Regeln vom 10. Mai an gelten sollen. «Wir werden in der nächsten Woche die Einzelheiten der zu erwartenden Verordnung miteinander besprechen», sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Freitag im Landtag in Hannover. Unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 zähle dazu auch eine mögliche Öffnung der Außengastronomie, wie sie der Stufenplan vorsieht. Diesen Schritt hatte zuvor Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) in Aussicht gestellt.

«Die Gefahr einer Corona-Infektion lauert vor allem drinnen, nicht draußen. Es sollte bei einem regionalen Inzidenzwert unter 100 also möglich sein, die Außengastronomie mit der kommenden Corona-Verordnung noch im Mai zu öffnen», sagte der CDU-Politiker der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Gleichzeitig müsse eine Öffnung an Auflagen wie ein Hygienekonzept, digitale Kontaktnachverfolgung, Tischreservierung und eine Sperrstunde geknüpft werden.

Klarheit gibt es schon jetzt für Kletterparks: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg setzte deren Schließung per Eilbeschluss außer Vollzug. Zur Begründung hieß es, dass die Gefahr einer Infektion im Freien gering sei und durch Schutzmaßnahmen auf ein zu vernachlässigendes Maß reduziert werden könne. Ähnliche Gerichtsentscheidungen hatte es zuvor schon für Zoos, Tierparks und Minigolfanlagen gegeben.

Am Sonntag überschritten 15 der 45 Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen den Inzidenzwert von 100. Landesweit lag der Wert bei 101,7. Der Wert gibt die Infektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche an. Die Hotspots mit den höchsten Werten waren der Landkreis Vechta (254,2), die Städte Salzgitter (208,1) und Delmenhorst (192,1) sowie der Landkreis Grafschaft Bentheim (181,5).

Nach einem Rückgang der täglichen Neuinfektionen unter der Woche ist der Wert am Sonntag allerdings wieder leicht gestiegen. Das Robert Koch-Institut wies 1363 weitere Fälle aus, einen Tag zuvor waren es lediglich 1244 gewesen.

Auf einem Spargel- und Beerenhof im Landkreis Diepholz kam es zu einem größeren Ausbruch. Bei einer Reihentestung des Betriebs sind 87 Infektionen bestätigt worden, wie der Kreis am Wochenende mitteilte. Die positiv Getesteten seien isoliert worden und befänden sich in Quarantäne. Insgesamt seien 1011 Menschen untersucht worden. Wer negativ getestet wurde, dürfe das Haus nur unter Auflagen zum Arbeiten verlassen. Überschreitet der Kreis die 100er-Inzidenz auch am Montag, gelten dort von Mittwoch an verschärfte Auflagen.

Auch die Corona-Tests für den Schulbetrieb decken nach wie vor zahlreiche Ansteckungen auf. Zuletzt wurden binnen einer Woche 573 Ansteckungen erkannt - 530 bei Schülerinnen und Schülern sowie 43 bei Beschäftigten. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärte dazu, mit den Selbsttests sei verhindert worden, dass das Virus in die Schulen eingeschleppt und in den Familien weiterverbreitet werde.

Das Impftempo legt währenddessen weiter zu. Zuletzt waren in Niedersachsen rund 100 000 Menschen an einem Tag geimpft worden. Der Kreis der Impfberechtigten wurde dabei zum 1. Mai ausgeweitet: Seither können sich weitere Berufsgruppen um einen Impftermin bemühen. Konkret gilt dies für die Beschäftigten aller Schulformen sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und den Einsatzdienst der Feuerwehr. In den nächsten Wochen soll die Terminanmeldung dann allen aus der dritten Prioritätsgruppe offenstehen. «Die Details werden derzeit vorbereitet und voraussichtlich in der kommenden Woche bekanntgegeben», erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Ministerpräsident Weil (SPD) hat seine erste Impfung gegen Covid-19 am Freitag in Hannover erhalten. Der 62-Jährige ließ sich den Impfstoff von Astrazeneca spritzen.

Ihren Unmut über die Corona-Politik trugen mehrere Hundert Unterstützer der «Querdenken»-Bewegung am Samstag in der Landeshauptstadt auf die Straße, wo zum Tag der Arbeit auch weitere Kundgebungen stattfanden. Verstöße gegen die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen gab es laut Polizei allerdings nur wenige.

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