Tochter gestalkt und Mutter getötet? Angeklagter schweigt

06.05.2021 Wie schlimm Stalking enden kann, zeigt ein Prozess in Lüneburg. Ein 38-Jähriger aus dem Raum Rostock soll eine Frau belästigt haben. Als sie ihn anzeigte, suchte er sie und soll dann die Mutter ermordet haben.

Der Angeklagte (l) spricht mit seinen Verteidigern im angemieteten Gerichtssaal vom Landgericht. Foto: Philipp Schulze/dpa/aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Streng bewacht in Handschellen und Fußfesseln, hinter ihm drei Polizeibeamte positioniert, beginnt der Mordprozess gegen einen 38-Jährigen vor dem Lüneburger Landgericht. Der Angeklagte aus dem Raum Rostock soll eine Frau gestalkt und nach einer Anzeige aus Rache am 11. Dezember vergangenen Jahres ihre Mutter getötet haben, weil er die Tochter nicht fand.

Der gebürtige Mainzer schwieg am Donnerstag bei der Verhandlung im Tagungszentrum des Bergström Hotels in Lüneburg, wo das Gericht wegen der Vielzahl an Beteiligten ausgewichen ist. Sieben Nebenkläger plus Anwälte - die Tochter, der Ehemann und die Geschwister des 56 Jahre alten Opfers - mussten unter Corona-Abstandsregeln im Saal Lagerfeld Platz finden.

«Ich lebe in ständiger Angst. Nehme morgens und abends Tabletten. Mein Vater ist schwer herzkrank, meine Mutter kümmerte sich stets um alles», sagte die 33 Jahre alte Tochter aus. Bei einer Umschulung in einem Berufsförderungswerk im Oktober 2018 in Nürnberg lernte die Altenpflegerin den Mann kennen, dort soll er sie sexuell belästigt haben. Daraufhin habe sie ihren Mitschüler angezeigt. Die Folge war eine Suspendierung von der Ausbildung. Später habe sie eine Morddrohung erhalten, was sie wiederum zu einer Anzeige veranlasst habe. «Warum hat man mit einem so kranken Mann nichts gemacht?», fragte die Tochter die Strafkammer. «Eine Beziehung hatten wir nie zusammen», betonte sie.

Einem Freund gegenüber, der ihn 2012 in Güstrow kennenlernte, äußerte er Anfang Dezember erstmals Tötungsabsichten, sagte dieser aus. «Ich habe das nicht für möglich gehalten», sagt er.

Der Arbeitslose ohne abgeschlossene Ausbildung suchte seine ehemalige Mitschülerin, die zeitweise in Rostock wohnte, vergeblich. Er fuhr stattdessen zu dem Elternhaus. Als die Mutter die Haustür öffnete, habe er diese mit einer Eisenstange und einem Beil angegriffen und heimtückisch erschlagen, lautet die Anklage. Er habe der Frau 37 Hiebe mit einem Beil gegen ihren Körper verpasst, trug die Staatsanwältin vor und sprach von einer «verachtenswerten Tat». Nach Aussage eines Rechtsmediziners waren am Kopf allein 19 Verletzungen aufgetreten. Als Todesursache diagnostizierte er einen «Verblutungsschock in Verbindung mit Ersticken».

Der 38-Jährige hatte sich nach der Tat im Dezember 2020 per Telefon bei der Polizei gemeldet. Er ließ sich ohne Widerstand am Tatort festnehmen. Den Prozessauftakt verfolgte er teilnahmslos und starrte die meiste Zeit auf den Tisch vor ihm.

Bereits am Montag (10. Mai) will die Kammer das Urteil verkünden.

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