Testpflicht für Käufer im Geschäft wird abgeschwächt

07.05.2021 Eine gute und eine halbschlechte Nachricht für Niedersachsens Einzelhandel. Die gute: Vielerorts dürfen Läden wieder öffnen. Die halbschlechte: Die unangenehme Testpflicht für Kunden ist nur teils vom Tisch.

Anke Pörksen, Regierungssprecherin der niedersächsischen Landesregierung. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Streit um die Testpflicht bei der kommenden Öffnung des Einzelhandels hat das Land Niedersachsen teilweise eingelenkt. Für den Einkauf sollen neben qualifizierten Tests aus Testzentren nun auch Tests reichen, die unter Aufsicht in den Geschäften vorgenommen werden, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Freitag in Hannover. Auch negative Corona-Schnelltests vom Arbeitsplatz seien gültig. Zu Hause durchgeführte Selbsttests, auch von Schülern, gelten dagegen nicht. Kleine Geschäfte mit bis zu 200 Quadratmetern Fläche, in denen sich maximal zehn Kunden zugleich aufhalten dürfen, sollen von der Testpflicht ausgenommen werden.

Ganz abgeschafft wird die Testpflicht damit nicht, wie es der Handel gefordert hatte. Die Kaufleute setzen auf den Zugang zu ihren Läden mit Terminvereinbarung, das sogenannte «Click and Meet». Wichtig sei, dass der Zugang so niedrigschwellig wie möglich ausfalle, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen, Mark Alexander Krack. Bei Gesprächen mit der Landesregierung am Donnerstag habe es immerhin «zwei Punkte des Entgegenkommens» gegeben.

Niedersachsen plant mit der kommenden Corona-Verordnung Lockerungen für Kreise und Städte, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Dort soll der komplette Einzelhandel unter Auflagen wieder öffnen können. Gastronomie und Tourismus sollen in Etappen und unter Einschränkungen wieder anlaufen können. Einzelheiten waren am Freitag noch in der Abstimmung. Die Änderungen sollen ab Montag (10.5.) gelten.

Nach Bekanntwerden der ursprünglichen Pläne hatten die IHK Niedersachsen und der Handelsverband eine Umfrage gestartet, an der sich mehr als 2000 Händlerinnen und Händler beteiligten. Das Ergebnis belegte für die Verbände eine klare Ablehnung: 78 Prozent der Einzelhändler sprechen sich demnach für eine Beibehaltung von «Click and Meet» ohne Vorlage eines qualifizierten Testergebnisses aus. Die große Mehrheit der Unternehmerinnen und Unternehmer befürchte, dass Kunden abgeschreckt werden, hieß es von der IHK.

Für die rund 320 000 Beschäftigten im Handel in Niedersachsen und rund 27 000 Beschäftigte in Bremen begann unterdessen die neue Tarifrunde. In Oldenburg fuhr die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Freitag einen überdimensionalen Einkaufswagen auf, um die Forderung nach besserer Bezahlung zu untermauern.

«Die Löhne und Gehälter im Tarifgebiet Niedersachsen/Bremen liegen deutlich hinter anderen Tarifgebieten zurück», sagte Arne Brix von der Gewerkschaft. Verdi fordert für die Handelsbeschäftigten in Niedersachsen und Bremen unter anderem 4,5 Prozent mehr Lohn.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News