Streit bremst Arbeit der Kirche mit Missbrauchsopfern

07.05.2021 Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird von einen Streit des Betroffenenbeirats ausgebremst. Innerhalb kurzer Zeit seien fünf der ursprünglich zwölf Mitglieder des Beirats zurückgetreten, zudem wurde aus dem Gremium heraus ein Antrag auf Auflösung gestellt, teilte der zuständige Landesbischof Christoph Meyns am Freitag mit. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete, hätten Betroffene den Beirat teils aus Unmut gegenüber der EKD verlassen. Von den verbliebenen sieben Opfern hätten vier mit anwaltlicher Hilfe zwischenzeitlich einen Aufschub der Auflösung erreicht.

Ein Holzkreuz steht am Wegesrand. Foto: Felix Kästle/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Die evangelische Kirche ist auf das Erfahrungswissen der Betroffenen angewiesen und will sie weiterhin konsequent beteiligen», erklärte Bischofs Meyns. Dafür müsse gerade auch mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Perspektiven von Betroffenen die bisherigen Erfahrungen ausgewertet und die Formen der Beteiligung überprüft werden. Die Mitglieder des Beirats vertreten verschiedene Bereiche der Kirche, in denen es in vergangenen Jahrzehnten zu Missbrauch kam, darunter ehemalige Heimkinder in der Diakonie. Bislang hat die EKD rund 785 Opfer von Missbrauch unter kirchlichen Dächern ermittelt.

Der Betroffenenbeirat hatte erst im September 2020 die Arbeit aufgenommen. Zur Aufarbeitung von Missbrauch hat die EKD verschiedene Schritte eingeleitet. Unter ihrer finanziellen Beteiligung begann im Dezember eine umfangreiche Missbrauchsstudie mit dem Ziel, Strukturen in der evangelischen Kirche aufzudecken, die sexualisierte Gewalt begünstigen und ihre Aufarbeitung erschweren.

Zumindest hinter den Kulissen dürfte das Thema auch auf der am Donnerstagabend begonnenen digitalen Frühjahrstagung der EKD-Synode zur Sprache kommen. Im Mittelpunkt der Tagung steht am Samstag die Wahl eines neuen Präses, der dem Kirchenparlament in den kommenden sechs Jahren vorsteht. Die FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer (79), die den Posten seit 2013 innehat, tritt nicht mehr an. Kandidaten werden vom Nominierungsausschuss erst am Samstag vorgestellt.

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