Dorf Polle sucht einen neuen Weser-Fährmann

13.05.2021 Ein kleiner Ort an der Weser hat zum ersten Mal seit mehr als 115 Jahren einen Job zu vergeben: Fährmann oder Fährfrau. Die Erwartungen an den Nachfolger oder die Nachfolgerin sind hoch.

Die Gierseilfähre Polle ist auf dem Fluss Weser unterwegs. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Dorf Polle im Landkreis Holzminden sucht einen neuen Kapitän oder eine neue Kapitänin für die Weser-Fähre. Nach mehr als 115 Jahren gibt die Familie von Friedrich Wilhelm Winter den Stab Ende dieses Jahres weiter, wie der Landkreis mitteilte. «Soweit ich das mitbekommen habe, haben die Winters die Verbindung vom westlichen zum östlichen Weserufer immer mit großer Souveränität, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit gehalten», sagte der Bereichsleiter der Straßenmeisterei, Jürgen Twele. «Die Messlatte für den Nachfolger hängt also entsprechend hoch!» Mit der Fähre sparen sich die Menschen Umwege zu den Weserbrücken in Holzminden oder Bodenwerder.

2005 feierte die Familie von Friedrich Wilhelm Winter hundertjähriges Jubiläum, wie es weiter hieß. Schon Urgroßvater Wilhelm, Großvater Wilhelm sowie Vater Friedrich Wilhelm hatten die Fährrechte gepachtet und ihre Kenntnisse und Erfahrungen an ihre Nachfolger weitergegeben. «Beeindruckend für mich ist die enge Verbundenheit mit Polle und mit der Region», sagte Twele von der Straßenmeisterei.

Die saisonabhängig übersetzende Fähre wurde im Jahr 1989 auf der Arminiuswerft in Bodenwerder gebaut, wie der Kreis mitteilte. Durch ein sogenanntes Gierseil wird die Fähre motorlos nur von der Strömung angetrieben. Die aktuelle Fähre löste ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1960 ab. In diesem Jahr hatte Winter Senior das Kommando von dessen Vater übernommen. 1998 war der nächste Generationswechsel vom Vater auf den Sohn fällig geworden. Für diesen ist nun Ende des Jahres Schluss; seine Kinder seien beruflich alle anderweitig engagiert.

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