«Von Quakenbrück in die Welt»: Bundeswehr verteilt Impfstoff

14.05.2021 Den Umgang mit Impfstoffen und Arzneimitteln ist die Bundeswehrapotheke gewohnt. In der Pandemie ist der Standort Quakenbrück zum zentralen Lager und Verteilzentrum geworden. Davon überzeugt sich auch Gesundheitsminister Spahn.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bevor es in den Kühlcontainer ging, bekam der Bundesgesundheitsminister eine dicke blaue Jacke - bei Temperaturen von minus 20 Grad und weniger kann man schon ins Frösteln kommen. Im Container dann bekam Jens Spahn (CDU) am Freitag Impfdosen aus nächster Nähe zu sehen. «Zum ersten Mal habe ich einen Impfstoff auch in der Hand gehabt», sagte er anschließend. Die Bundeswehrapotheke in Quakenbrück kann 20 bis 30 Millionen Impfdosen gleichzeitig lagern.

Derzeit sind es aber deutlich weniger, weil die Eingänge sofort auf die Bundesländer verteilt werden. «Der neuralgische Punkt ist der Moment, wenn der Impfstoff umgelagert wird. Das muss so schnell wie möglich gehen, um die Kühlkette geschlossen zu halten», berichtete Martin Pape, Chef des Zentrums im Range eines Flottenapothekers.

Spahn besuchte den Standort in einem günstigen Moment, auch wenn erst am Abend eine Lieferung Moderna-Impfstoff erwartet wurde. Aber das Robert Koch-Institut hatte kurz zuvor mitgeteilt, dass die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erstmals seit dem 20. März wieder unter die Schwelle von 100 gesunken sei. «Ich finde das sehr ermutigend. Das gibt Zuversicht», freute sich Spahn, der aber zu schnelle Euphorie bremste. Die Lage sei bundesweit sehr unterschiedlich, denn es gebe Landkreise mit einem Inzidenzwert von 35, aber auch solche mit über 200.

Von Quakenbrück im Landkreis Osnabrück wird der Impfstoff nicht nur an die Verteilzentren der Länder, den zivilen pharmazeutischen Großhandel und die Bundesbehörden geliefert. «Von Quakenbrück in die Welt», resümierte der Minister, als ihm Pape und sein Team von Lieferungen an Niederlassungen des Auswärtigen Amtes und Militärattachés nach Burkina Faso oder Brasilien berichten. Auch zu den Bundeswehr-Einsatzgebieten in Afrika wurde Impfstoff gebracht.

All das gehört für die Bundeswehrapotheke, die offiziell «Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial (VersInstZ SanMat) Quakenbrück» heißt, auch außerhalb der Pandemie zum Tagesgeschäft. Auf ihrer Liste stehen 3000 unterschiedliche Artikel, davon ein Drittel Arzneimittel und zwei Drittel medizinische Produkte wie etwa Katheter oder Verbandsstoffe sind.

Damit der Umschlag der Impfdosen reibungslos und vor allem schnell vonstatten geht, wird in Quakenbrück im Zwei-Schicht-System gearbeitet - je Schicht zehn Mitarbeiter. Die Kühlcontainer stehen nebeneinander in einem extra abgesperrten Bereich der Kaserne. Etwa eine Million Impfdosen gehen in einen Container. Spahn informierte sich auch über die Sicherheit - schließlich seien die Impfdosen so ziemlich das Wertvollste, was es im Moment für einige gebe. Aber in einer abgeriegelten Bundeswehrkaserne sollte der Impfstoff sicher sein.

Am Standort Quakenbrück werden alle verfügbaren Impfstoff-Varianten außer Biontech/Pfizer gelagert. Die dem Sanitätsdienst unterstellte Bundeswehrapotheke ist in Amtshilfe für das Bundesgesundheitsministerium tätig. «Vielen Dank für Ihre tolle und engagierte Unterstützung für unsere Impfkampagne. Ohne Sie liefe es nicht so gut!», schrieb Spahn den Soldaten ins Gästebuch. Die hohe Motivation sei vermutlich auch darin begründet, dass man wohl nur einmal im Leben ein solche Impfkampagne mitmache. «Hoffentlich zumindest», so Spahn.

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